Ratte
Steckbrief Ratte
| Größe | 17-22 cm (Körperlänge) |
| Geschwindigkeit | Bis 10 km/h |
| Gewicht | 160-210 g |
| Lebensdauer | 2-5 Jahre |
| Nahrung | Getreide, Früchte, Samen, Wurzeln, Fische, Wirbellose, Eier |
| Feinde | Eulen, Schlangen, Waschbär, Katze |
| Verbreitung | Weltweit |
| Lebensraum | Fast alle |
| Ordnung | Nagetiere |
| Familie | Langschwanzmäuse |
| Wissenschaftl. Name | Rattus rattus |
| Merkmale | Nagetier mit langem Schwanz, gilt als Krankheitsüberträger |
Merkmale und Besonderheiten
Ratten sind kleine Nagetiere. Sie leben fast überall auf der Welt, sind aber nicht sehr beliebt, weil sie häufig Krankheitsüberträger sind. Ratten sind hochintelligent, lernen sehr schnell, haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis, können Rätsel lösen. Außerdem sind sie sehr sozial. Sie helfen Artgenossen, sind selbstlos, teilen Futter, pflegen Freundschaften, arbeiten zusammen, trösten sich gegenseitig, spielen miteinander und kitzeln sich sogar gegenseitig.
Arten
Es gibt 65 Arten von Ratten. Die meisten leben in Asien und Australien. Beim Menschen leben vor allem die Wanderratte und die Hausratte. Weitere Arten sind zum Beispiel die Feldratte, Waldratte, Reisfeldratte, Bergratte und Palmenratte.
Verbreitung und Lebensraum
Hausratten wurden über Schiffe auf der ganzen Welt verbreitet. Daher auch die Bezeichnung „Schiffsratten“. Die meisten leben in Großstädten wie New York, London, Bangkok, Delhi und Shanghai. Dort gibt es viele Lebensmittel sowie zahlreiche Tunnel und Kanäle, in denen sie sich verstecken können. Sie sind sehr anpassungsfähig und kommen in den unterschiedlichsten Lebensräumen zurecht.
Lebensweise
Ratten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben meistens in kleinen Kolonien aus 10-30 Tieren: erwachsenen Weibchen, erwachsenen Männchen und Jungtieren. In Städten kann eine Kolonie auch aus über 100 Tieren bestehen.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Hausratten haben eine Körperlänge von 17-22 cm und ein Gewicht von 160-210 g. Die größte ist die Nördliche Luzon-Riesenborkenratte. Sie wird 75-77 cm lang und wiegt 1,9-2,6 kg.
Große Augen
Ratten haben große Augen, die ihnen beim Sehen in der Dunkelheit helfen.
Große Ohren
Die Ohren sind im Verhältnis zum Kopf sehr groß. Dadurch können sie auch leise Geräusche gut wahrnehmen.
Langer Schwanz
Bei Hausratten ist der nackte, schmale Schwanz mindestens genauso lang wie ihr Körper. Bei Wanderratten ist er etwas kürzer.
Graues Fell
Ratten haben ein schwarzes, braunes oder graues, manchmal auch rötlichesFell.
Lange Tasthaare
Ratten haben meistens lange Tasthaare. Sie helfen ihnen, die Umgebung wahrzunehmen – vor allem nachts, wenn sie nicht so gut sehen.
Ratte vs. Maus – Wo ist der Unterschied?
Ratten und Mäuse sind beide Nagetiere und eng miteinander verwandt. Dennoch unterscheiden sie sich deutlich. Ratten sind viel größer und schwerer.
Ernährung
Ratten sind Allesfresser. Sie ernähren sich vor allem von Samen, Nüssen, Getreide, Obst, Gemüse, Insekten und Würmern. In der Stadt essen sie auch Fleisch und Brot – eben alles, was sie in Mülltonnen oder auf der Straße finden.
Sinne und Fähigkeiten
Sie haben drei „Super“-Sinne
Ratten haben drei sehr gut entwickelte Sinne, auf die sie sich „blind“ verlassen: ihren Geruchssinn, ihren Tastsinn und ihren Hörsinn. Ihr Sehsinn ist der schlechteste.
• Geruchssinn
Sie nehmen feinste Gerüche wahr und können sogar Krankheiten erschnüffeln. Um besser riechen zu können, bewegen sie mit Hilfe von Ultraschalllauten feinste Duftstoffe in der Luft – wie Jedis!
• Tastsinn
Ihre feinen Tasthaare sind wie Bewegungsmelder. Sie nemhen sogar Luftbewegungen wie zum Beispieln einen ganz leichten Wind wahr.
• Hörsinn
Sie benutzen sie sogar als Echolot. Sie stoßen einen Ton aus und nehmen das Echo mit ihren Tasthaaren wahr.
Sie sind überraschend schnell
Ratten sind im Vergleich zu ihrer Größe wahre Superathleten. Sie werden bis zu 10 km/h schnell und könnten mit einem trainierten Jogger mithalten. Aber nur theoretisch gesehen. Natürlich würde ein kleines Tier eine so hohe Geschwindigkeit nicht auf einer längeren Strecke durchhalten. Eine kurze Strecke von 10 m würde sie jedoch in 3,6 Sekunden schaffen. Das ist für ihre Größe wirklich beachtlich.
Der Schwanz regelt die Körpertemperatur
Ratten haben einen sehr langen, dünnen Schwanz. Er hilft nicht nur, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch ihre Körpertemperatur zu regeln. Da er nackt ist, kann er Wärme abgeben – zum Beispiel, wenn es sehr heiß ist. Wenn es kalt ist, rollen sie ihn ein, um sich warm zu halten.
Olympiaverdächtige Schwimmer
Ratten können sehr gut schwimmen – sogar mehrere hundert Meter weit. Außerdem können sie sehr gut tauchen.
Intelligenz
Ratten sind sehr intelligent. Sie haben aber nicht nur was im „Köpfchen“, sie besitzen auch eine hohe emotionale und soziale Intelligenz. Was bedeutet das? Sie nehmen die Gefühle ihrer Artgenossen über Körpersprache, Laute und Gerüche wahr. Sie können sich in sie hineinversetzen, sie verstehen - und verhalten sich angemessen.
Enge Freundschaften
Ratten schließen enge Freundschaften mit Artgenossen, die sie besonders mögen.
Große Hilfsbereitschaft
Ratten können Hilfsbereitschaft bei ihren Artgenossen riechen (!) und dadurch besser zusammenarbeiten.
Starke Teamarbeit
Im Team sind Ratten noch intelligenter, weil sie sich gegenseitig unterstützen, den richtigen Weg einzuschlagen oder unbekannte Wege zu bewältigen.
Große Vorstellungskraft
Ratten haben wie Menschen eine Vorstellungskraft und machen „Fantasiereisen“, bei denen sie sich Orte oder Gegenstände vorstellen.
Jagd
Gewöhnliche Hausratten gehen nicht auf die Jagd, sondern sammeln Nahrung, die sie finden. Anders ist das bei den Wanderraten. Sie jagen aktiv und schnappen sich sogar Fledermäuse während des Fluges.
Lebenserwartung
Die Lebenserwartung der Hausratte beträgt 1-3 Jahre. Selten werden sie bis zu sechs Jahre alt.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Ratten haben viele Feinde. Sie werden von Greifvögeln wie Falken, Habichten und Bussarden, von Eulen, Mardern, Füchsen und Schlangen erbeutet. Auch Hauskatzen und Haushunde können eine Bedrohung für sie sein.
Der Mensch
Hausratten und Wanderratten gelten als Schädlinge. Sie leben auf Müllplätzen, an Straßenrändern, in der Kanalisation, in Lagerhäusern, auf Dachböden und in Kellern. Damit sie keine Krankheiten übertragen, werden sie meistens mit Schädlingsbekämpfungsmitteln getötet.
Ratten als Krankheitsüberträger
Ratten können durch ihren Kot eine Vielzahl von Bakterien, Viren und Parasiten übertragen. Die beiden häufigsten sind Salmonellose und Leptospirose. Außerdem übertragen sie den Hantavirus, Fleckfieber und Bandwürmer. Die Infektionen führen je nach Erkrankung vor allem zu Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Durchfall und Bauchschmerzen. Im Mittelalter waren sie für die Ausbreitung der Pest verantwortlich, weil sie „Taxi“ für Rattenflöhe spielten, die mit dem Bakterium Yersinia pestis infiziert waren.
Fortpflanzung
Paarungszeit
Ratten pflanzen sich das ganze Jahr über fort, vor allem im Sommer und im Herbst.
Nest
Um ihre Babys aufzuziehen, bauen Ratten Nester aus Blättern und Gras, aber auch aus allen möglichen Dingen, die sie beim Menschen so finden: zum Beispiel Papier, Pappe und Dämmmaterial. In der freien Natur nisten sie in Erdlöchern. Beim Menschen nisten sie gerne im Keller oder am Dachboden.
Tragzeit
Ratten haben bis zu fünf Mal Nachwuchs im Jahr – je nach verfügbarem Essen und Schutz. Die Tragzeit beträgt 21-29 Tage. Ein Wurf kann 8-12 Junge umfassen. Bei ihrer Geburt sind die Babys nackt und blind. Nach 15 Tagen öffnen sie die Augen und nach drei Wochen können sie bereits feste Nahrung zu sich nehmen. Mit vier Wochen haben sie ein Fellkleid und sind selbstständig.
Fun Facts
Die Ratte ist in Indien ein heiliges Tier
In Indien gilt die Ratte als heilig, denn sie ist treue Wegbegleiterin und Reittier des indischen Gottes Ganesha.
Die Ratte ist verwandt mit:
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Eule
- Falke
- Fuchs
- Graureiher
- Habicht
- Hermelin
- Hund
- Katze
- Kojote
- Schabe
- Schlange
- Schleiereule
- Manguste
- Wiesel
- Wolf
Quellen:
- „Largest rat king: How 32 rats accidentally tied themselves together“ (https://www.guinnessworldrecords.com)
- „Active predation by brown rats on bats at urban mass hibernacula in Northern Germany“ (https://www.sciencedirect.com)
- „Non-random associations in group housed rats (Rattus norvegicus)“ (https://www.nature.com)
- „Der Duft des Miteinander – Ratten riechen Hilfsbereitschaft“ (https://www.uni-goettingen.de)
- „Do rodents smell with sound?“ (https://www.sciencedirect.com)
- „Searching together: a lesson from rats“ (https://www.exc.uni-konstanz.de)
- „Volitional activation of remote place representations with a hippocampal brain–machine interface“ (https://www.science.org)
- „Are Rats as Smart as Dogs? A Scientific Comparison of Animal Intelligence“ (https://www.petscare.com)
- „Empathy and pro-social behavior in rats“ (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)




























