Nacktmull
Steckbrief Nacktmull
| Größe | 8-11 cm |
| Geschwindigkeit | Unbekannt |
| Gewicht | 30-35 g |
| Lebensdauer | 30-40 Jahre |
| Nahrung | Wurzeln, Knollen |
| Feinde | Schlangen |
| Verbreitung | Ostafrika |
| Lebensraum | Halbwüste |
| Ordnung | Nagetiere |
| Familie | Sandgräber |
| Wissenschaftl. Name | Heterocephalus glaber |
| Merkmale | Kleines Nagetier, hat fast keine Haare, lange Zähne |
Merkmale und Besonderheiten
Der Nacktmull ist eines der merkwürdigsten Tiere der Welt. Er hat eine fast haarlose, schrumpelige, rosa Haut, säbelzahnartige Zähne, einen wurstförmigen Körper und winzige Augen. Wegen seines Aussehens zählt er zu den hässlichsten Tieren der Welt. Er lebt unter der Erde und ist fast blind. Interessanterweise kann er keine Schmerzen empfinden. Außerdem zwitschert und trällert er nonstop – obwohl er beinahe taub sind. Ein verrücktes kleines Tier!
Familie
Wer hätte das gedacht: Nacktmulle sind weder mit Maulwürfen noch mit Ratten, sondern mit Stachelschweinen, Chinchillas und Meerschweinchen verwandt.
Verbreitung und Lebensraum
Nacktmulle sind in Savannen und Graslandschaften in Kenia, Somalia und Äthiopien verbreitet. Sie leben unter der Erde.
Lebensweise
Nacktmulle können Tag und Nacht nicht unterscheiden – weil sie unter der Erde leben. Sie haben daher keine festen Zeiten, zu denen sie aktiv sind. Sie sind sehr gesellig und leben in Kolonien, die 20-300 Tiere umfassen. Sie sind wie Ameisen- oder Bienenkolonien organisiert. Ihr Zusammenleben folgt strengen Regeln: Es gibt eine Königin, einen „Harem“, Arbeiter und Soldaten. Eine solche Gemeinschaft gibt es sonst nur bei Insekten wie Bienen, Ameisen, Termiten und Wespen.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Ein Nacktmull ist etwa so groß wie eine Maus – allerdings ist er doppelt so schwer und sein Schwanz halb so lang. Seine Körperlänge beträgt 7-11 cm und sein Gewicht 30-35 g.
Haare
Sind Nacktmulle wirklich nackt? Tatsächlich sind sie nicht so „unbekleidet“, wie sie scheinen. Überall auf ihrer rosafarbenen Haut wachsen feine Haare – sogar zwischen den Zehen. Sie brauchen kein dichtes Fell, denn sie halten sich fast ausschließlich unter der Erde auf, wo es immer schön warm ist. Sie brauchen auch keinen Schutz vor der Sonne.
Zähne
Nacktmulle haben säbelzahnartige, lange Schneidezähne. Sie sind gut sichtbar, denn sie befinden sich nicht im Mund, sondern außerhalb. Das ist auch gut so, denn dadurch können sie ihre Lippen beim Graben schließen. Auf diese Weise gelangt kein Schmutz und Dreck in ihren Mund. Verrückt, aber wahr: Sie können ihre Schneidezähne unabhängig voneinander bewegen – wie Essstäbchen.
Ernährung
Nacktmulle sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Wurzeln und Knollen. Von einer großen Wurzel kann eine ganze Kolonie über Monate bis Jahre hinweg satt werden. Sie essen immer nur einen Teil davon, so dass sich die Pflanze immer wieder regenerieren kann. Manchmal essen sie auch ihren eigenen Kot. Das klingt eklig, hat aber einen Sinn: Sie nehmen dadurch die Nährstoffe der Wurzeln und Knollen auf, die sie gegessen, aber beim ersten Mal nicht verdauen konnten.
Verhalten
Vogelgezwitscher unter der Erde
Nacktmulle haben 18 verschiedene Laute, wovon sich einige wie das Zwitschern von Vögeln anhören. Die Laute helfen ihnen, sich mit ihren Artgenossen zu verständigen.
Geruchsmarken
Nacktmulle nutzen auch Gerüche, um sich zu verständigen. Sie wälzen sich in ihrem Kot und verteilen ihren Geruch im ganzen Bau. Das hilft ihnen, Familienmitglieder von Fremden zu unterscheiden.
Verteidigung
Auf der Suche nach einem Snack dringen Schlangen in den Bau der Nacktmulle ein. Deshalb werden die Ein- und Ausgänge von den Soldaten streng bewacht. Wenn sich eine Schlange nähert, stoßen die Arbeiter einen Alarmruf aus, um ihre Artgenossen zu warnen. Sie versperren den Eingang mit ihren Körpern und strecken dem Angreifer ihre scharfen Zähne entgegen.
Sinne und Fähigkeiten
Wie bekommen Nacktmulle unter der Erde Luft?
Unter der Erde gibt es keine frische Luft. Sie ist sehr sauerstoffarm. Hinzu kommt, dass Nacktmulle eine sehr kleine Lunge haben. Wie schaffen sie es, dort zu überleben? Sie haben eine besondere Fähigkeit: Sie können den wenigen verfügbaren Sauerstoff sehr gut „verwerten“ - also ins Blut aufnehmen. Außerdem atmen Nacktmulle langsamer, so dass der Sauerstoff lange im Körper bleibt.
Schmerzempfinden
Nacktmulle haben eine erstaunliche Fähigkeit: Sie empfinden keinen Schmerz. Das ist für ein Wirbeltier absolut einzigartig. Obwohl sie den Schmerz zwar als „Info“ vom betreffenden Körperteil erhalten, spüren sie ihn nicht als etwas Unangenehmes. Wissenschaftler glauben, dass sich diese Eigenschaft als Anpassung an den Lebensraum entwickelt hat.
Sinne
Nacktmulle verlassen sich auf drei Sinne: ihren Hörsinn, Geruchssinn und Tastsinn. Sie sind ausgezeichnet entwickelt. Ihr Sehsinn ist dagegen sehr schlecht. Sie haben winzige Augen und können sehr schlecht sehen. Blind sind sie aber nicht! Mit ihren winzigen Augen sehen sie nur einfach nicht viel. Unter der Erde ist das aber auch nicht notwendig.
Die Kolonie
Rangfolge und Aufgaben
Nacktmulle bilden Kolonien – ganz ähnlich wie Bienen und Ameisen. Innerhalb der Kolonie hat jedes Tier eine festgelegte Aufgabe. Es gibt eine Königin, die die Kolonie anführt und den Nachwuchs gebärt. Ein paar wenige Männchen dürfen sich mit ihr paaren. Der Rest besteht aus Soldaten, die die Kolonie verteidigen und aus Arbeitern, die Nahrung sammeln, Tunnel bauen und Junge aufziehen. Im Gegensatz zu den Bienen können die Arbeiter männlich oder weiblich sein. Dasselbe gilt für die Soldaten.
Die Königin
Nacktmull-Königinnen müssen sich ihren „Thron“ erkämpfen und laufen regelmäßig durch den Bau, um ihn durch Beißen und Schubsen zu verteidigen. Die Weibchen kämpfen manchmal bis zum Tod um das Recht, Königin zu sein. Wenn sich eine Königin behauptet hat, wird ihr Körper größer und länger, um möglichst viele Jungen gebären zu können.
Der Bau
Größe und Lage
Der Bau liegt bis zu 2 m tief und kann bis zu 4 km (!) lang sein.
Tunnel
Die Tunnel haben einen Durchmesser von 3-5 cm.
Kammern
Die zahlreichen Tunnel führen zu verschiedenen Kammern – zum Beispiel zur Nestkammer oder zu Futterkammern. Es gibt auch Toilettenkammern.
Temperatur
Im Bau hat es immer eine Temperatur von 30 Grad Celsius – auch wenn es draußen wärmer oder kälter ist.
Lebenserwartung
Nacktmulle erreichen ein überraschend hohes Alter: Sie können 30-40 Jahre alt werden. Für ein Nagetier ist das eine sehr hohe Lebenserwartung. Wie machen sie das? Für Wissenschaftler ist das immer noch ein Rätsel, denn die meisten Nagetiere wie Mäuse, Ratten und Hamster werden nur wenige Jahre alt.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Nacktmulle haben nicht viele Feinde, da sie fast ausschließlich unter der Erde leben. Sie kommen nur an die Oberfläche, um die Ein- und Ausgänge ihres Baus zu kontrollieren. Dann sind sie ein leichtes Opfer für Schlangen und Greifvögel.
Der Mensch
Nacktmulle leben in Regionen, die für die Landwirtschaft uninteressant sind. Das ist ihr Glück, denn dadurch ist ihr Lebensraum nicht gefährdet.
Fortpflanzung
Paarungszeit
Unter der Erde gibt es für die Nacktmulle weder Tages- noch Jahreszeiten. Sie haben daher keine festen Paarungszeiten, sondern pflanzen sich vier bis fünf Mal in einem Jahr fort.
Strenge Regel
Nur die Königin darf Nachwuchs gebären. Sie sucht sich für gewöhnlich drei Männchen aus, mit denen sie sich paart.
Tragzeit und Geburt
Nach einer Tragzeit von 70 Tagen kommen 7-11 winzige Babys zur Welt. Der Rekord liegt bei 27 Babys! Sie wachsen in einer Nestkammer auf, in der sie von der Königin gesäugt und von den Arbeitern aufgezogen werden. Nach wenigen Wochen beginnen sie bereits, die Tunnel zu erkunden und nach etwa 12 Monaten sind sie ausgewachsen.
Fun Facts
Der berühmteste Nacktmull der Welt
In der Disney-Serie Kim Possible hat der tollpatschige Ron Stoppable ein ganz besonderes Haustier: einen tollpatschigen Nacktmull namens Rufus – weil sein Vater allergisch gegen Tierhaare ist. Er wohnt in Rons Hosentasche und steht auf Nachos mit Käsesoße.
Der Nacktmull ist verwandt mit:
- Aguti
- Chinchilla
- Meerschweinchen
- Stachelschwein
Weitere Tiere im Lebensraum:
Quellen:
- „Naked Mole-rat (Heterocephalus glaber) Fact Sheet“ (https://ielc.libguides.com)
- „The effect of diet on microfaunal population and function in the caecum of a subterranean naked mole-rat, Heterocephalus glaber“ (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- „Selective Inflammatory Pain Insensitivity in the African Naked Mole-Rat (Heterocephalus glaber)“ (https://journals.plos.org)
- „The naked truth: a comprehensive clarification and classification of current ‘myths’ in naked mole‐rat biology“ (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
- „Naked mole rats live for decades – genetic tweaks reveal insights into ageing“ (https://www.nature.com)
- „A cGAS-mediated mechanism in naked mole-rats potentiates DNA repair and delays aging“ (https://www.science.org)
News zum Thema:
- Nacktmulle haben unterschiedliche Dialekte
- Wenn Nacktmulle gut hören könnten, würden sie taub werden




























