Chinchilla
Steckbrief Chinchilla
| Größe | 22-38 cm (Körper) |
| Geschwindigkeit | Bis 24 km/h |
| Gewicht | 500-800 g |
| Lebensdauer | 10-20 Jahre |
| Nahrung | Gras, Wurzeln, Rinde, Blätter, Früchte, Kakteen |
| Feinde | Eulen, Falken, Füchse |
| Verbreitung | Südamerika |
| Lebensraum | Bergiges Grasland, Höhlen, Felsspalten |
| Ordnung | Nagetiere |
| Familie | Chinchillas |
| Wissenschaftl. Name | Chinchillidae |
| Merkmale | Kleines Nagetier, flauschiges Fell, buschiger Schwanz |
Merkmale und Besonderheiten
Chinchillas sind kleine Nagetiere, die für ihr weiches, plüschiges Fell und ihren buschigen Schwanz berühmt sind. Sie sehen unglaublich niedlich aus – wie eine Mischung aus Meerschweinchen und Eichhörnchen. In der Tat sind sie mit Meerschweinchen eng verwandt. Sie wirken sehr ruhig, aber der Eindruck täuscht. Sie sind super flink und beherrschen atemberaubende Sprünge. Sie können sogar über zwei Meter breite Felsspalten überwinden. Chinchillas sind die einzigen Säugetiere, die bei Gefahr ihr Fell abwerfen können.
Arten
Es gibt zwei Arten: das Kurzschwanz-Chinchilla und das Langschwanz-Chinchilla. Von diesen beiden Arten stammen alle heutigen Haustier-Chinchillas ab. Sie werden seit 100 Jahren gezüchtet und sind seitdem fast doppelt so groß geworden wie die wild lebenden Artgenossen.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich waren Chinchillas in Argentinien, Peru, Chile und Bolivien verbreitet. Heute kommen sie nur noch in zwei Regionen Chiles vor. Sie leben in den kargen, trockenen und oft schneebedeckten Anden auf 3.000 bis 5.000 m Höhe. Sie verkriechen sich in Felsspalten und suchen Schutz in selbst gegrabenen Höhlen. Um sie herum gibt es nur dornige Sträucher, ein paar wenige Kräuter, Wildpflanzen und Kakteen.
Lebensweise
Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber machen sie ein Nickerchen in ihrer Höhle. Sie sind sehr gesellig und bilden große Kolonien mit über 100 Tieren.
Körperbau und Aussehen
Körperbau
Größe und Gewicht
Chinchillas haben eine Körperlänge von 22-38 cm und ein Gewicht von 500-800 g.
Fell
Ist da noch was außer Fell und Knopfaugen? Chinchillas sehen rund und pummelig aus, aber in Wahrheit haben sie einen eher schlanken Körperbau - den man nur nicht sieht, weil er unter dem weichen Fell versteckt ist.
Dichte
Chinchillas sehen aus wie lebendige Plüschtiere. Ihr wunderschönes, seidiges Fell wird bis zu 4 cm lang und schützt sie perfekt vor der tierischen Kälte, die nachts in den Anden herrscht. Dass sie so unglaublich plüschig und kuschelig aussehen, hat drei Gründe:
- 1. Sie besitzen pro Haarwurzel 50-60 Haare. Menschen haben nur ein Haar pro Haarwurzel.
- 2. Sie habenpro Quadratzentimeter (1x1 cm) 20.000 Haare. Der Mensch hat pro Quadratzentimeter nur etwa 150-200 Haare.
- 3. Ihre Haare sind 30-mal dünner als Menschenhaar.
Farbe
Die meisten Chinchillas haben graues Fell, das je nach Lichtverhältnissen bläulich oder silbergrau erscheint. Es gibt sie auch schwarz, weiß, hellbraun oder beige.
Buschiger Schwanz
Der Schwanz ist bis zu 15 cm lang – etwa halb so lang wie sie selbst. Interessanterweise ist der Schwanz beim Kurzschwanz-Chinchilla und beim Langschwanz-Chinchilla gleich lang, nur das Kurzschwanz-Chinchilla ist fast doppelt so groß. Daher wirkt es, als wäre sein Schwanz kürzer.
Runde Ohren
Chinchillas haben große, runde Ohren, die ihnen helfen, selbst die leisesten Geräusche wahrzunehmen.
Ernährung
Chinchillas sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich vor allem Blättern, Samen und Früchten. Wenn sie essen, sehen sie sehr süß aus, denn sie sitzen dabei aufrecht und halten ihre Nahrung in den Vorderpfoten.
Verhalten
Sie lieben Fellpflege
Chinchillas haben ein seidenweiches, dickes Fell. Um es zu pflegen, wälzen sie sich genüsslich in Sand oder im Staub.
Clevere Verteidigungs-Strategien
• Sie bellen (!) zur Warnung
Wenn sich ein Raubtier nähert, warnt das Chinchilla seine Artgenossen durch bellende Laute, damit diese auch fliehen können.
• Flucht im Zickzack-Lauf
Chinchillas werden von Eulen und Greifvögel aus der Luft angegriffen und werden von Füchsen, Mardern, Pumas und Schlangen am Boden gejagt. Wie die meisten Nagetiere rennen Chinchillas bei Gefahr weg und versuchen, sich in ihrer Höhle in Sicherheit zu bringen – und zwar im Zickzack.
• Sie werfen ihr Fell ab
Chinchillas nutzen bei Gefahr einen Trick, der unter Säugetieren einzigartig ist: Wenn sie von einem Raubtier geschnappt werden, entscheiden sie sich für ... plötzlichen Haarausfall! Der Angreifer hat nur ein Büschel Haare „in den Fingern“ und sie entkommen in den meisten Fällen. Das Fell wächst nach einer Weile wieder nach.
• Sie spritzen Urin
Sie haben auch noch einen etwas ekligeren Trick, sich zu verteidigen: Sie spritzen ihrem Angreifer Urin entgegen und hoffen, ihn dadurch abzuschrecken.
Sind Chinchillas gefährlich?
Chinchillas übertragen keine gefährlichen Krankheiten. Sie können zwar beißen und kratzen, tun es aber nur, wenn sie stark bedrängt werden.
Fähigkeiten und Sinne
Sprungkraft
Wilde Chinchillas können bis zu 1,8 m hoch springen und bis zu 2 m breite Felsspalten überwinden.
Sinne
Chinchillas haben einen ausgezeichneten Sehsinn und Hörsinn. Diese Sinne helfen ihnen, Raubtiere rechtzeitig wahrzunehmen.
Lebenserwartung
In freier Wildbahn werden Chinchillas 8-10 Jahre alt. In Gefangenschaft können sie bis zu 20 Jahre alt werden.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Chinchillas haben viele Feinde – vor allem Eulen, Bussard, Adler, Füchse, Marder, Pumas, Schlangen, aber auch freilaufende Haushunde und Hauskatzen.
Der Mensch
Jagd
Der größte Feind der Chinchillas ist der Mensch. Anfang des 20. Jahrhunderts standen Chinchillas kurz vor dem Aussterben. Warum? Sie wurden beinahe ausgerottet, weil sie in zu großer Anzahl gejagt wurden. Ihr wärmendes Fell wurde für Kleidungsstücke verwendet und ihr Fleisch landete auf dem Teller. Heute ist die Jagd auf Chinchillas verboten, aber sie werden immer noch gejagt.
Verlust von Lebensraum
Chinchillas leiden außerdem darunter, dass ihr Lebensraum immer stärker durch Landwirtschaft, Viehzucht und Bergbau zerstört wird.
Züchtung von Heimtieren
Bei der Heimtierzucht besteht immer die große Gefahr, dass die Tiere ihr Erbgut nicht so natürlich und vielfältig weitergeben können. Dadurch werden häufig Krankheiten weitervererbt.
Gefährdungsstatus
Alle Chinchillas gelten offiziell als „bedrohte Tierart“. Bis zum Jahr 2016 galten sie als beinahe ausgestorben, aber mit Hilfe von Schutzprogrammen konnten sich die wenigen überlebenden Tieren wieder vermehren. Trotzdem sind sie auch heute noch offiziell „stark bedroht“. Es soll nur noch 5.350 wilde Langschwanz-Chinchillas geben. Das Kurzschwanz-Chinchillas ist in vielen Regionen bereits ausgestorben. Es gibt keine genauen Zahlen.
Sind Chinchillas gute Haustiere?
Chinchillas sind keine „guten“ Haustiere. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv. Das macht es schwierig, sie zu beobachten. Sie brauchen einen kühlen Ort, weil sie sonst überhitzen sowie viel Platz zum Rennen und Springen – selbst ein kleines Zimmer ist dafür eigentlich nicht ausreichend. Außerdem haben die Nagetiere einen empfindlichen Magen und brauchen eine gute, ausgewogene Ernährung. Wenn sie krank oder gestresst sind, verweigern sie die Nahrung und sterben. Tierärzte, die sich mit Chinchillas auskennen, sind zudem sehr selten.
Fortpflanzung
Paarungszeit
Wilde Chinchillas paaren sich das ganze Jahr über, aber vor allem zwischen Mai und November.
Tragzeit
Die Tragzeit dauert etwa 110 Tage – was für Nagetiere eine ungewöhnlich lange Zeit ist.
Babys
Sie bekommen für gewöhnlich zwei Mal im Jahr Nachwuchs, meistens sind es zwei bis drei Babys. Die meisten Nagetierbabys sind bei ihrer Geburt nackt und blind. Bei den Chinchillas ist das anders. Sie können von Geburt an sehen und haben auch schon von Beginn an Haare. Sie wiegen nur 57 g, was etwa so viel ist wie eine halbe Tafel Schokolade.
Alle kümmern sich
Besonders ist auch, dass sich auch die Väter um die Babys kümmern. Von 2.500 machen das nur 120-250 Arten. Der Zusammenhalt in der Kolonie geht noch weiter: Wenn eine Mutter ihr Baby nicht säugen kann, übernimmt das ein anderes Weibchen.
Das Chinchilla ist verwandt mit:
- Baumratte
- Biberratte
- Meerschweinchen
- Nacktmull
- Stachelschwein
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Andenkondor
- Andenschakal
- Guanako
- Puma
- Schleiereule
- Uhu
- Vikunja
- Wolf
Quellen:
- „Oldest chinchilla ever“ (https://www.guinnessworldrecords.com)
- „How many chinchilla are left in the world?“ (https://enviroliteracy.org)




























