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Mistkäfer

Mistkäfer - Foto: Andrew Buckin/Shutterstock

Steckbrief Mistkäfer

Größe 16-25 mm
Geschwindigkeit Unbekannt
Gewicht 1,5-2,5 g
Lebensdauer 2-3 Jahre
Nahrung Frischer Dung
Feinde Vögel, Schlangen
Verbreitung Europa, Nordafrika
Lebensraum Wald
Ordnung Käfer
Unterordnung Polyphaga
Familie Mistkäfer
Wissenschaftl. Name Geotrupes stercorarius
Merkmale Großer, schwarzer Käfer, isst Dung, hat Längsrillen

Merkmale und Besonderheiten

Der Gemeine Mistkäfer ist eine von rund 150 Mistkäferarten auf der ganzen Welt. Allein in Europa leben 59 Arten. Als Lebensraum bevorzugen sie Wälder, Felder und Steppen. Sie sind tag- und nachtaktiv und können fliegen – wobei die kleinen Dickerchen in der Luft eher schwerfällig unterwegs sind.

Mistkäfer - Foto: LuciaP/Shutterstock

Name

Der wissenschaftliche Name lautet Geotrupes stercorarius. Das Wort Geotrupes setzt sich aus „geo“ (Erde) und „trupes“ (bohren) zusammen – man könnte ihn also „Erdbohrer“ nennen. „Stercorarius“ bedeutet übersetzt „der, der ausmistet“. Gut zu wissen: Das Wort „gemeiner“ bedeutet in der Biologie nicht „böse“ oder „fies“, sondern steht einfach für „allgemein“ oder „häufig“.

Lebensweise

Gemeine Mistkäfer verbringen die meiste Zeit damit, nach frischem Dung zu suchen, einen Partner zu finden und sich auszuruhen. Sie nutzen den Tag und die Nacht unterschiedlich:

  • Tagsüber (Bodenaktivität): Sie krabbeln über Waldwege, graben Gänge und formen Kotpillen.
  • Nachts (Flugaktivität): In der Dämmerung und Nacht fliegen sie durch die Luft. Da das viel Energie kostet, nutzen sie die kühleren Temperaturen, um nicht zu überhitzen. Sie schwirren dann über Wiesen und Waldränder, um nach Nahrung zu suchen. Man kann sie vielleicht nicht sehen, aber hören: Sie erzeugen dabei ein tiefes Brummen.

Mistkäfer Körperbau und Aussehen - Foto: Bernie [Public Domain] via Wikimedia Commons

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht

Der Gemeine Mistkäfer wird 16-25 mm lang. Auf seinen Flügeldecken hat er deutliche Längstreifen oder Längsfurchen mit kleinen punktförmigen Dellen. Auf dem Halsschild hat er eine auffällige, große punktförmige Delle.

Ernährung

Nährstoffreicher Kot

Mistkäfer sind Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von dem, was wir gerne so schnell wie möglich loswerden: Kot. Genauer gesagt: Dung (= Kot von Pflanzenfressern). Warum ausgerechnet Kot? Er ist in den meisten Fällen nicht vollständig verdaut und enthält neben Grasresten auch eine wertvolle Flüssigkeit. In dieser tummeln sich winzige Organismen, die die Käfer besonders mögen.

Am liebsten von Kühen und Pferden

Der Mistkäfer findet vor allem den Kot von Kühen und Pferden unwiderstehlich. Er fliegt meistens abends in Kreisen um diese Tiere herum und wartet darauf, dass etwas für ihn „abfällt“. Manche Mistkäfer mögen aber auch Pilze oder Humus.

Aber: nur frischer Dung!

Wenn Dung schon etwas länger herumliegt, kann der Mistkäfer nichts mehr damit anfangen, denn die „leckere“ Flüssigkeit darin ist dann bereits vertrocknet.

Mistkäfer Mistkäfer - Foto: corlaffra/Shutterstock

Verhalten

Verteidigung

Mistkäfer können sich nicht verteidigen. Stattdessen haben sie drei Tricks auf Lager:

1. Totstellen: Sie ziehen alle Beine eng an den Körper und verharren völlig regungslos, bis die Gefahr vorbei ist. Für viele Jäger, die auf Bewegung reagieren, wird er dadurch "unsichtbar" wie ein kleiner Stein.

2. Schrecklaute: Wenn er sich bereits im Schnabel eines Vogels befindet, zirpt er ganz laut, um ihn zu erschrecken. Außerdem ist das Geräusch sehr unangenehm für den Vogel. Mit etwas Glück lässt er den Käfer wieder los.

3. „Stinkabwehr“: Das letzte Ass im Ärmel ist eine übelriechende Flüssigkeit, die der Käfer aus dem Mund tropfen lässt und Feinde abschrecken soll.

Symbiose: Mistkäfer spielen Taxi für Milben

Der Mistkäfer hat auf Englisch einen Spitznamen: „Lousy watchman“ (miserabler Wachmann). Auf seiner Unterseite reisen nämlich oft kleine, goldgelbe Milben mit. Sie nutzen den Käfer als Taxi, um von einem Dunghaufen zum nächsten zu gelangen. Er wird dafür im Gegenzug auch „bezahlt“: Die Milben befreien das Nest des Mistkäfers von Fliegen und Fadenwürmern (Nematoden) indem sie sie essen. So schützen sie die Larven des Mistkäfers vor Nahrungskonkurrenz. Forscher zählten in einer Studie auf 118 Mistkäfern beeindruckende 2.300 Milben aus 17 verschiedenen Arten!

Sinne und Fähigkeiten

Die Navigationskünstler

Sobald der Käfer eine Kotpille geformt hat, muss er sich auf dem schnellsten Weg (einer geraden Linie) von der Fundstelle entfernen. Warum? Nur so kann er sicher sein, dass er nicht dabei gesehen wird und die Kugel von anderen Käfern gestohlen wird. Er nutzt zur Orientierung eine Fähigkeit, die wir nicht besitzen: Er kann das polarisierte Licht des Himmels wahrnehmen – sogar bei Bewölkung. Außerdem nutzt er die Sonne und den Mond als Kompass.

Das Zirpen der Mistkäfer

Wie entsteht es?

Der Gemeine Mistkäfer erzeugt Töne durch die sogenannte Stridulation. Sein Körper funktioniert im Grunde wie eine Ratsche: Er reibt seine Hinterhüften gegen den Bauch. Da die Hüften winzige Chitin-Zähnchen haben und der Bauch viele feine Rillen besitzt, erzeugt das Aneinanderreiben ein lautstarkes Knirschen.

Wozu dient es?

Das Zirpen hat zwei Funktionen. Die Laute dienen einerseits als Verteidigungs- und Schrecklaut gegen Fressfeinde (wie Vögel oder Dachse). Andererseits nutzen die Käfer die Vibrationen unter der Erde zur Kommunikation während der Brutpflege und Paarung, um sich in den tiefen Gängen abzustimmen. Da die Gänge 1-3 m tief sein können, ist das sehr hilfreich.

Mistkäfer - Foto: Gucio_55/Shutterstock

Feinde und Bedrohungen

Natürliche Feinde

Gemeine Mistkäfer haben viele Feinde. Dazu gehören Vögel wie Eulen (Steinkauz, Waldkauz), Rabenvögel (Krähen, Elstern) und Greifvögel (Rotmilan). Aber auch Säugetiere wie Dachse, Wildschweine und Fledermäuse sowie räuberische Raubkäfer jagen ihn.

Der Mensch

Medikamente in der Nutztierhaltung

Rinder und Schafe werden oft mit Medikamenten gegen Parasiten behandelt (z. B. Ivermectin). Die Tiere scheiden den Wirkstoff unverändert aus. Wenn der Mistkäfer diesen Dung frisst, nimmt er das Gift auf. Schon winzige Mengen führen bei den Larven zu Entwicklungsstörungen, geringem Geburtsgewicht oder zum Tod. Da diese Käfer sehr wichtig dafür sind, Weideflächen sauber zu halten und den Stickstoffkreislauf des Bodens anzukurbeln, warnen Forscher vor dem Einsatz solcher Medikamente.

Klimawandel

Der Gemeine Mistkäfer ist deutlich hitzeempfindlicher als seine südeuropäischen Verwandten. Das bedeutet, dass der Klimawandel das empfindliche Gleichgewicht der Bodenbelüftung gefährdet.

Mistkäfer Mistkäfer - Foto: MeisterS/Shutterstock

Bedeutung für das Ökosystem

Mistkäfer sind extrem wichtig für die Natur. Sie transportieren Dung tief unter die Erde, belüften dadurch den Boden, kurbeln den Stickstoffkreislauf an und machen die Erde fruchtbar.

Wenn ich wandern gehe, werfe ich immer einen aufmerksamen Blick auf den Boden und helfe kleinen Mistkäfern auch schon mal „über die Straße“ (den Wanderweg), indem ich sie vorsichtig auf ein Blatt bugsiere und auf der anderen Seite absetze - sie werden leider sehr oft zertreten.

Silke von tierchenwelt.de

Fortpflanzung

Paarungszeit und Nestbau

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr. Männchen und Weibchen bilden ein tolles Team und zeigen echtes Teamwork: Während das Weibchen unter der Erde die Gänge gräbt, transportiert das Männchen die überschüssige Erde nach oben aus dem Bau heraus.

Eiablage und Brutpflege

Insekten sind normalerweise nicht für Brutpflege bekannt – Mistkäfer sind hier eine seltene Ausnahme! Das Paar bleibt zusammen, um für den Nachwuchs zu sorgen. Sie füllen die unterirdischen Brutkammern mit Kotkugeln (yummy!). Das Weibchen legt ein Ei hinein, füllt die Kammer mit noch mehr Kot auf und verschließt sie mit Lehm. Die Larven essen den Vorrat, sind nach einem Jahr ausgewachsen und verpuppen sich schließlich zum fertigen Käfer.


Der Mistkäfer ist verwandt mit:

  • Waldmistkäfer
  • Stierkäfer
  • Frühlingsmistkäfer


Quellen:

  • Aktualisiert am

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