Buntspecht
Steckbrief Buntspecht
| Größe | 23-26 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 24 km/h |
| Gewicht | 60-90 g |
| Lebensdauer | 6-11 Jahre |
| Nahrung | Insekten, Samen, Nüsse |
| Feinde | Greifvögel, Habichte, Sperber |
| Lebensraum | Europa, Asien |
| Ordnung | Spechtvögel |
| Familie | Spechte |
| Wissenschaftl. Name | Dendrocopos major |
| Merkmale | Schwarz-weiß-roter Vogel, hämmert mit Schnabel |
Merkmale und Besonderheiten
Der Buntspecht ist der häufigste Specht in Deutschland – und sogar weltweit! Er ist leicht an seinem schwarz-weiß-roten Gefieder zu erkennen. Selbst wenn man ihn nicht sieht, weiß man, wenn einer in der Nähe ist: Auf der Suche nach Nahrung hämmert er mit seinem Schnabel in Baumstämme – bis zu 10-20 Mal pro Sekunde und bis zu 12.000 Mal am Tag!
Arten
Die Biologen sind sich nicht ganz einig darüber, wie viele Arten es gibt. Daher schwankt die Zahl ständig. Sie liegt zwischen 12 und 25. Die bekanntesten und häufigsten Spechte in Deutschland sind neben dem Buntspecht der Grünspecht, der Kleinspecht, der Schwarzspecht und der Grauspecht. Weltweit sind besonders häufig der Dunenspecht, der Carolinaspecht, der Goldspecht und der Gelbbauch-Saftlecker (ja, das ist tatsächlich sein Name!).
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung
Der Buntspecht ist sehr anpassungsfähig und ist daher in vielen Ländern verbreitet. Er lebt hauptsächlich in Europa – vor allem in Deutschland, Frankreich, Polen, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Österreich und der Schweiz. Es gibt aber auch zahlreiche Buntspechte in Asien und in Nordafrika. Nur in Australien und Amerika gibt es keine.
Lebensraum
Der Buntspecht lebt in Laubwäldern und Mischwäldern. Am liebsten mag er Eichen und Buchen. Außerdem ist er in Parks und Gärten in der Stadt ein häufiger Gast. Er braucht alte Bäume, weil sich unter der morschen Rinde viele Insekten verstecken und die weiche Rinde leichter zu durchbohren ist. Das gleiche gilt für die Nisthöhlen. Er braucht abgestorbene oder morsche Bäume, um sie mit seinem Schnabel aushöhlen zu können.
Lebensweise
Buntspechte sind Einzelgänger – insofern sie nicht gerade Nachwuchs haben. Sie sind tagaktiv und verbringen viel Zeit damit, in Baumstämmen nach Insekten zu picken oder eine Höhle für ihren Nachwuchs zu schnitzen.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Der Buntspecht hat eine Körperlänge von 23-26 cm und ein Gewicht von 60-90 g.
Buntes Gefieder
Das Gefieder des Buntspechts ist unverwechselbar und schon von weitem gut erkennbar. Das rote Gefieder am Hinterkopf haben allerdings nur die Männchen, nicht die Weibchen. Beide besitzen jedoch rotes Gefieder am unteren Bauch. Ansonsten sind sie schwarz und weiß gemustert.
Kräftiger Schnabel
Der Buntspecht hat einen spitzen, kräftigen Schnabel. Lange glaubte man, zwischen Schnabel und Gehirn gäbe es einen weichen, federnden Knochen – das stimmt aber nicht. Mehr dazu unter „Fähigkeiten und Sinne“. Der Schnabel ist fest mit dem Kopf verbunden, so dass er sich wie ein steifer Hammer in das Holz bohrt.
Lange Zunge
Der Buntspecht hat eine lange, hakenförmige, klebrige Zunge. Sie wird 4-5 cm lang – also doppelt so lang wie der Schnabel. Nachdem er kleine Löcher in die Rinde gehackt hat, bohrt er seine Zunge hinein, um die Insekten heraus zu lutschen. Außerdem benutzt er sie manchmal, um leckeren Nektar zu schlürfen. Wenn er seine Zunge nicht braucht, rollt er sie ein und verstaut sie, indem er sie um den Schädel „wickelt“.
Geschützte Nasenlöcher
Wenn der Specht einmal loslegt, dann fliegen die Fetzen. Oder vielmehr die Holzspäne. Damit er diese aber nicht in die Nasenlöcher bekommt, befinden sich feine Federn darüber.
Verhalten
Hämmern
Wieso hämmert der Buntspecht? Es gibt vier Gründe:
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Er will eine kleine Höhle in einen Baum hacken, um zu nisten.
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Er sucht nach leckeren Insekten, die unter der Baumrinde leben.
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Er will bei Vogeldamen Eindruck machen. Das nennt man „Trommeln“, denn er schlägt mit seinem Schnabel 10-15 mal ganz schnell hintereinander.
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Er verteidigt sein Revier, und zwar auch durch Trommeln.
Charakteristisches Flugmuster
Alle Spechte fliegen in einem bestimmten Muster oder Rhythmus: Sie schlagen erst dreimal mit den Flügeln und nutzen dann die Luftverhältnisse, um eine Weile zu gleiten.
Fähigkeiten und Sinne
Wieso bekommt der Specht keine Kopfschmerzen?
Der Buntspecht hämmert den ganzen Tag. Jedes Mal, wenn er mit seinem Schnabel in den Baum hackt, entspricht das einem Aufprall mit 25 km/h. Dennoch braucht er keine Kopfschmerztabletten. Er bekommt auch keine Gehirnerschütterung. Warum?
Federung zwischen Schnabel und Schädel?
Jahrelang gingen Forscher davon aus, dass ein schwammartiger Knochen zwischen Schnabel und Schädel den Aufprall abfedert und auf diese Weise das Gehirn vor Erschütterungen schützt.
Sein Kopf ist wie ein Hammer
Erst seit einer Studie aus dem Jahr 2022 weiß man: Sein Kopf ist wie ein steifer Hammer. Sein Gehirn bleibt aus mehreren Gründen unverletzt. Erstens ist es sehr klein, zweitens befindet sich wenig Flüssigkeit zwischen Gehirn und Schädeldecke und drittens ist morsches Holz ein weiches Material.
Spechtschmiede
Buntspechte haben eine clevere Technik, Nüsse zu knacken. Während andere Vögel Nüsse mit ihren Krallen festhalten, klemmt der Buntspecht sie in einer Spalte oder Höhle im Baum ein. So kann sie nicht wegrutschen und er kann ganz bequem auf sie einhacken. Solange, bis sie den leckeren Samen in ihrem Inneren freigibt. Eine solche Spalte oder Loch nennt man „Spechtschmiede“.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Buntspechte haben viele Feinde. In der Luft droht Gefahr durch Habichte, Sperber, Mäusebussarde, Waldkäuze und Uhus. Die Eier und Küken werden von Mardern, Füchsen, Elstern und Krähen gestohlen.
Der Mensch
Abholzung von Wäldern
Buntspechte brauchen alte, morsche oder abgestorbene Bäume. Es gibt jedoch immer weniger alte Wälder. Sie werden gerodet und schnell wachsende Bäume gepflanzt – um Holz zu gewinnen. Außerdem gibt es immer weniger zusammenhängende Wälder, wodurch ihr Lebensraum zerstückelt ist und sie immer weitere Strecken fliegen müssen.
Pestizide und Insektizide
Wenn wir unsere Pflanzen, Sträucher und Bäume mit Mitteln behandeln, denken wir, dass nur die Schädlinge dadurch sterben. Gleichzeitig stirbt aber auch die Nahrung für viele Vögel. Außerdem leiden viele nützliche Insekten wie Bienen und Hummeln darunter.
Gefährdungsstatus
Laut einer Schätzung der IUCN im Jahr 2025 gibt es weltweit noch 49-78 Millionen erwachsene Buntspechte. Sie gelten nicht als gefährdet.
Wie kann man Buntspechten helfen?
Wer einen eigenen Garten hat, sollte Totholz und alte Bäume nach Möglichkeit stehen lassen. Besonders wichtig ist der Verzicht auf Pestizide und Insektizide. Sie schaden auch vielen anderen Tieren und der Umwelt. Sofern Pflanzen im Baumarkt oder beim Gärtner nicht als „Bio“ gekennzeichnet sind, kann man davon ausgehen, dass sie mit solchen Chemikalien behandelt worden sind. Finger weg davon!
Fortpflanzung
Die Nisthöhle
Das Nest des Buntspechts liegt meist in einer Höhe von 2-10 m. Er bevorzugt für seine Höhle alte, morsche oder sogar tote Bäume, weil deren Holz weicher ist. Der Eingang zur Höhle ist nur etwa 5-6 cm groß. Selbst gezimmerte „vier Wände“ sind schon etwas feines, aber der Specht bleibt ungern länger als ein Jahr in seiner Wohnung. Er hackt sich immer wieder neue Höhlen. Die alten überlässt er Meisen, Staren und sogar Eulen (wenn die Höhle groß genug ist).
Aufzucht
Buntspechte legen 4-7 Eier, die 11-13 Tage lang ausgebrütet werden. Die Küken werden 3-4 Wochen gefüttert, bis sie die ersten Flugversuche unternehmen. Interessanterweise haben junge Buntspechte direkt oben auf dem Kopf rotes Gefieder – fast bis zum Schnabelansatz. Wenn sie erwachsen sind, befindet sich das rote Gefieder weiter hinten im Nacken.
Fun Facts
Vogel des Jahres
1997 war der Buntspecht in Deutschland der Vogel des Jahres.
Der Buntspecht auf Englisch
Der Specht heißt auf Englisch „Woodpecker“. Wörtlich übersetzt heißt das „Holzpicker“.
Der Buntspecht ist verwandt mit:
- Grünspecht
- Kleinspecht
- Mittelspech
- Weißrückenspecht
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Blaumeise
- Eichelhäher
- Eichhörnchen
- Fledermaus
- Habicht
- Hornisse
- Kleiber
- Kohlmeise
- Marder
- Mäusebussard
- Rabe
- Rotfuchs
- Reh
- Sperber
- Uhu
- Waldkauz
Quellen:
- „Woodpeckers minimize cranial absorption of shocks“ (https://www.cell.com)
- „Skull evolution in woodpeckers via articular innovation and allometric decoupling facilitates pecking performance“ (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
Video: 24 wissenswerte Fakten über Buntspechte































