Tukan
Steckbrief Tukan
| Größe | 35-65 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 64 km/h |
| Gewicht | 130-680 g |
| Lebensdauer | 12-20 Jahre |
| Nahrung | Früchte, Eier, Insekten |
| Feinde | Große Greifvögel, Schlangen, Raubkatzen, Wiesel |
| Verbreitung | Mittel- und Südamerika |
| Lebensraum | Baumwipfel |
| Ordnung | Spechtvögel |
| Familie | Tukane |
| Wissenschaftl. Name | Ramphastidae |
| Merkmale | Großer tropischer Vogel mit riesigem, leichtem Schnabel |
Merkmale und Besonderheiten
Der Tukan ist einer der faszinierendsten und buntesten Vögel im Regenwald. Mit seinem riesigen, leuchtenden Schnabel fällt er sofort auf. Er scheint fast genauso groß zu sein, wie er selbst! Muss der Schnabel nicht furchtbar schwer sein? Das erfährst du weiter unten! Der Vogel ist nicht nur schön anzusehen, sondern erfüllt auch eine sehr wichtige Aufgabe in der Natur: Er hilft dabei, dass der Wald gesund bleibt.
Arten
Der Tukan wird wegen seiner bunten Farben oft als Papagei bezeichnet. Aber das stimmt nicht! Er gehört zur Familie der Spechtvögel. Insgesamt gibt es etwa 45 Arten. Die bekannteste ist der Riesentukan. Er hat ein weißes „Lätzchen“, schwarzes Gefieder und einen gelben Schnabel. Zu den Tukanen gehören auch die Arassaris. Sie sind eine kleinere Unterart der Tukane, die meistens noch geselliger ist und in größeren Gruppen zusammenlebt.
Verbreitung und Lebensraum
Tukane leben in den warmen Regionen von Mittel- und Südamerika. Meistens bekommt man sie im dichten Dschungel aber gar nicht zu Gesicht. Sie halten sich fast nur ganz oben in den Baumwipfeln auf. Dort suchen sie sich alte, natürliche Baumhöhlen, um zu nisten. Schade eigentlich bei so einem farbenfrohen Federkleid – wer würde das nicht gerne aus der Nähe bewundern?!
Lebensweise
Tukane sind tagaktiv. Sie leben in kleinen Familien oder Gruppen von 6-12 Vögeln. Gemeinsam suchen sie nach Futter und warnen sich gegenseitig vor Feinden. Sogar zum Schlafen teilen sie sich oft zu mehreren eine einzige Baumhöhle.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Der Tukan erreicht je nach Art eine Körperlänge von 35-65 cm und ein Gewicht von 130-680 g.
Seine Zunge sieht aus wie eine Feder
Der Tukan hat eine sehr ungewöhnliche Zunge: Sie ist lang, extrem schmal und hat an den Seiten feine Fransen. Dadurch sieht sie fast aus wie eine echte Vogelfeder. Diese besondere Form hilft dem Tukan dabei, die Nahrung im riesigen Schnabel geschickt zu bewegen und mundgerechte Fruchtstücke gezielt in den Hals zu befördern.
Seine Füße haben ein „Kletter-System“
Tukane haben sogenannte zygodaktyle Füße. Das bedeutet einfach erklärt: Zwei Zehen zeigen nach vorne und zwei Zehen zeigen nach hinten (wie ein X). Die meisten uns bekannten Vögel haben drei Zehen vorne und eine hinten. Dieses Tukan-System funktioniert wie eine eingebaute Kletter-Sicherung und gibt ihnen extrem festen Halt, wenn sie auf dünnen Ästen im Wind balancieren.
Der Schnabel: Das eingebaute Werkzeug
Groß und lang, aber federleicht!
Der Schnabel des Tukans ist riesig. Er kann bis zu viermal größer als sein ganzer Kopf sein und wird bis zu 20 cm lang. Obwohl er schwer und unpraktisch aussieht, ist er sehr leicht. Das liegt daran, dass er innen nicht aus massivem Knochen besteht, sondern hohl und wie ein fester Schwamm aufgebaut ist. Er wiegt nur 30-40 g.
Wozu hat der Tukan einen großen Schnabel?
• Körpertemperatur senken
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Schnabel eine eingebaute Klimaanlage ist. Wenn es heiß ist, leitet der Tukan warmes Blut in den Schnabel. Der Schnabel gibt die Hitze an die Luft ab und der Vogel kühlt ab – genau wie ein Elefant mit seinen großen Ohren!
• Früchte picken
Außerdem hilft der Schnabel dem Tukan dabei, an Früchte auf dünnen Ästen heranzukommen, die für andere Tiere zu schwach wären.
• Fechten mit Artgenossen
Tukane zeigen ein spannendes Sozialverhalten, das Wissenschaftler als „bill fencing“ (Schnabel-Fechten) bezeichnen. Dabei „schlagen“ die Vögel im Spiel oder zur Klärung der Rangordnung ihre großen Schnäbel wie Fechtdegen gegeneinander. Was wild aussieht, ist meistens ein harmloses Spiel unter Freunden.
Ernährung
Tukane sind Allesfresser. Sie ernähren sich zu 80 % von Früchten, sind aber auch geschickte Gelegenheitsjäger! Wenn sie die Chance haben, plündern sie die Nester anderer Vögel. Mit ihrem langen Schnabel angeln sie sich Eier und sogar frisch geschlüpfte Vogelbabys heraus. Auch große Insekten, kleine Eidechsen oder Baumfrösche stehen ab und zu auf ihrem Speiseplan.
Verhalten
Wie schlafen Tukane?
Um in den engen Baumhöhlen Platz zu sparen, haben Tukane einen tollen Trick: Zum Schlafen legen sie ihren langen Schnabel flach auf ihren Rücken. Ihren Schwanz klappen sie dann nach vorne über den Kopf. Wenn sie so zusammengerollt sind, sehen sie aus wie ein kleiner, runder Ball aus Federn.
Fähigkeiten und Sinne
Können Tukane gut fliegen?
Tukane sind echte Waldbewohner. Sie halten sich fast nur ganz oben in den Baumkronen auf. Tukane können nicht besonders gut fliegen. Deshalb hüpfen sie meistens eher von Ast zu Ast. Wenn sie doch fliegen, sieht das wellenförmig aus: ein paar schnelle Flügelschläge, dann ein kurzes Gleiten.
Wie hören sich Tukane an?
Tukane machen viel Krach. Ihr Ruf klingt überhaupt nicht wie der Gesang anderer Vögel. Sie quaken eher wie Frösche oder kläffen wie kleine Hunde. Im dichten Dschungel kann man ihre Rufe über 500 m weit hören.
Lebenserwartung
In freier Wildbahn werden Tukane 12-20 Jahre alt.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Im Wald müssen sich Tukane vor großen Greifvögeln wie Adlern in Acht nehmen. Wenn sie in ihren Baumhöhlen brüten, klauen auch oft Schlangen, Affen oder Wiesel die Eier und die wehrlosen Küken aus dem Nest.
Der Mensch
• Verlust von Lebensraum
Tukane brauchen zum Leben und Brüten sehr alte, große Bäume. Sie finden immer seltener ein Zuhause, da immer mehr Regenwald abgeholzt wird - hauptsächlich um Tierfutter anzubauen (das z. B. auch nach Deutschland transportiert wird) oder Nutztiere zu halten.
• Haustier-Handel
Weil sie so schön bunt sind, werden Tukane leider oft illegal gefangen und als Haustiere verkauft.
Bedeutung für das Ökosystem
Weil Tukane die Früchte oft im Ganzen herunterschlucken und die Samen woanders unbeschadet wieder ausscheiden, pflanzen sie quasi den Wald von morgen. Deshalb werden sie auch als „Gärtner des Regenwaldes“ bezeichnet.
Fortpflanzung
Ein Leben lang treu
Tukane sind monogam. Sie suchen sich einen festen Partner, mit dem sie zusammenbleiben.
Das Nest
Sie können ihre Nisthöhlen nicht selbst in das Holz hacken. Deshalb suchen sie nach natürlichen Löchern in alten Bäumen oder nutzen verlassene Höhlen von Spechten.
Die Eier
Das Weibchen legt 2-4 weiße Eier. Vater und Mutter wechseln sich beim Brüten ab. Nach etwa 16-18 Tagen schlüpfen die Küken.
Die Küken
Die Babys kommen nackt und blind auf die Welt. Sie bleiben sehr lange im Nest – ungefähr 40-60 Tage – bis sie fliegen können. Erst nach 3 -4 Jahren sind sie alt genug, um selbst Junge zu bekommen.
Fun Facts
Aberglaube
In manchen alten Geschichten der Ureinwohner Südamerikas hieß es, dass im Tukan Zauberkräfte oder Geister stecken. Früher durften frischgebackene Väter in bestimmten Stämmen kein Tukan-Fleisch essen. Sie hatten Angst, dass ihr Baby sonst verhext wird. Einige Medizinmänner nutzten den Tukan in ihren Ritualen als Schutz-Tier.
Der Tukan ist verwandt mit:
- Afrikanische Bartvögel
- Amerikanische Bartvögel
- Asiatische Bartvögel
- Tukan-Bartvögel
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Blauara
- Baumnatter
- Faultier
- Harpyie
- Nasenbär
- Ozelot
- Pfeilgiftfrosch
Quellen:
- Heat exchange from the toucan bill reveals a controllable vascular thermal radiator (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- Energetic costs of bill heat exchange demonstrate contributions to thermoregulation at high temperatures in toco toucans (Ramphastos toco) (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- Successful frugivory interactions recovery 53 years after the reintroduction of the ariel toucan Ramphastos ariel in the Atlantic forest (https://nsojournals.onlinelibrary.wiley.com)
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