Strauß
Steckbrief Strauß
| Größe | 1,75-2,8 m |
| Geschwindigkeit | Bis 70 km/h |
| Gewicht | 90-160 kg |
| Lebensdauer | 30-40 Jahre |
| Nahrung | Samen, Blätter, Wurzeln, Insekten, Eidechsen |
| Feinde | Löwen, Leoparden, Geparde, Hyänen |
| Verbreitung | Afrika |
| Lebensraum | Trockene Savannen, Wüstenränder, Halbwüsten |
| Ordnung | Laufvögel |
| Familie | Strauße |
| Wissenschaftl. Name | Struthio camelus |
| Merkmale | Größter und schwerster lebender Vogel der Welt |
Merkmale und Besonderheiten
Der afrikanische Strauß ist ein Laufvogel. Er ist der größte und schwerste Vogel der Welt. Und er gehört zu den flugunfähigen Vögeln. Zu den Laufvögeln zählen außerdem Emu, Kiwi, Nandu und Kasuar.
Arten
Es gibt zwei eigenständige Arten: den Afrikanischen Strauß (Struthio camelus), der in den weiten Savannen lebt, und den Somali-Strauß (Struthio molybdophanes), der im Nordosten Afrikas zu Hause ist und eine wunderschöne, bläulich schimmernde Haut an Hals und Beinen hat.
Verbreitung und Lebensraum
Strauße leben in freier Wildbahn ausschließlich in Afrika. Sie sind perfekt an trockene, offene Landschaften angepasst. Man findet sie in Savannen, Halbwüsten, Wüstenrändern und offenem Buschland. Dichte Wälder oder Unterholz meiden sie, da sie dort ihre besten Verteidigungsmittel – die extrem weite Sicht und ihre ungeheure Laufgeschwindigkeit – nicht ausspielen können.
Lebensweise
Strauße sind tagaktiv. Sie leben meist in kleineren Gruppen, sogenannten Harems, bestehend aus einem dominanten Männchen, einer Haupthenne und mehreren Nebenhennen. Durch diese Gemeinschaft haben sie beim Essen immer viele Augen, die nach Gefahren Ausschau halten.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Die Männchen erreichen eine Höhe von 2,10-2,80 m - fast so hoch wie eine Zimmerdecke! Die Weibchen sind etwas kleiner. Sie werden 1,75-2,00 m groß. Die Männchen wiegen 100-135 kg. Besonders große Tiere können sogar 156-160 kg auf die Waage bringen. Die Weibchen wiegen „nur“ 90-110 kg.
Langer Hals
Strauße haben einen langen Hals, der fast die Hälfte der gesamten Körperhöhe ausmacht. Er ist schmal, aber sehr muskulös und gleichzeitig sehr beweglich.
Riesige Augen
Mit einem Durchmesser von etwa 5 cm ist das Auge des Straußes das größte aller Landwirbeltiere. Es ist sogar deutlich schwerer als sein Gehirn!
Winziges Gehirn
Die riesigen, hübschen Augen eines Straußenvogels sind größer als sein Gehirn. Es wiegt gerade mal 40 g – also nicht mal so viel wie zwei kleine Schokoriegel.
Gefieder
Der Hahn hat ein tiefschwarzes Gefieder mit leuchtend weißen Flügel- und Schwanzfedern. Die Henne ist unauffällig erdbraun bis grau gefärbt. Diese Färbung dient der perfekten Tarnung beim Brüten: Die braune Henne brütet tagsüber im Sand, während der schwarze Hahn nachts auf den Eiern im Dunkeln unsichtbar ist.
Nicht ein Magen, sondern drei (!)
Im Gegensatz zu den meisten Vögeln besitzt der Strauß drei Mägen. Jeder erfüllt eine Spezialaufgabe – vom Einspeicheln über das Zerkleinern mithilfe geschluckter Steine bis hin zur Nährstoffaufnahme. Das Verdauen der Nahrung dauert stolze 36 Stunden.
Nur zwei Zehen am Fuß
Der Strauß ist der einzige Vogel weltweit, der nur zwei Zehen pro Fuß hat (flugfähige Vögel haben vier und andere Laufvögel drei). Die größere Zehe ähnelt fast einem Huf und trägt das gesamte Gewicht, während die kleinere Zehe hilft, das Gleichgewicht beim schnellen Laufen zu halten.
Straußeneier
Strauße legen die größten Eier der Welt
Straußeneier sind die größten Eier, die es gibt. Ein einzelner Mensch würde sich schwertun, ein ganzes Straußeneier-Omelette zu verdrücken, denn ein einziges Ei entspricht etwa 20 Hühnereiern.
Aber: verhältnismäßig die kleinsten Eier
Das Straußenei ist mit rund 1,5 kg das absolut größte Ei der Tierwelt. Im Verhältnis zur Größe der Straußenhenne ist es jedoch das kleinste Vogelei der Erde. Es macht gerade einmal 1 bis 1,5 % ihres Körpergewichts aus. Zum Vergleich: Bei einer kleinen Wachtel oder einem Kiwi ist das Ei im Verhältnis zum Körper gigantisch groß.
Straußeneier sind extrem hart
Ein Straußenei hat so eine dicke Schale, dass sich ein Mensch mit 115 kg Gewicht darauf stellen kann, ohne dass es kaputtgeht. Beachtlich ist auch, dass man es ohne Bohrer oder anderes Werkzeug kaum öffnen kann. Dennoch schaffen es die kleinen, putzigen Straußenküken, das Ei zu zerbrechen, indem sie Nacken und Füße kräftig gegen die Innenwände stemmen.
Ernährung
Strauße sind Allesfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen wie Gräsern, Samen, Blättern und Wurzeln. Gelegentlich essen sie auch Insekten oder Eidechsen.
Verhalten
Wieso schlucken Strauße Steine?
Strauße picken 30.000 mal am Tag, hauptsächlich um Körner, Blätter und Insekten zu fressen. Da sie nicht kauen können, essen sie bis zu 1,5 kg Steinchen. Sie zermalmen das Futter im Magen.
Stecken Strauße ihren Kopf in den Sand?
Das Gerücht, dass der Strauß bei Gefahr „den Kopf in den Sand steckt“, um unsichtbar zu sein, ist einer der hartnäckigsten Irrtümer der Tierwelt. Kein Strauß würde sich freiwillig ersticken oder blind für Angriffe machen. Aus großer Ferne kann es jedoch so aussehen – zum Beispiel, wenn er sich zur Tarnung flach auf den Boden legt, dicht am Boden nach Nahrung pickt oder die Eier im Nest wendet.
Wieso schlucken Strauße Steine?
Strauße picken bis zu 30.000 Mal am Tag, um Körner, Blätter und Insekten zu fressen. Da sie keine Zähne besitzen, müssen sie die Nahrung auf andere Weise zerkleinern: Sie fressen bis zu 1,5 kg kleine Steinchen (Gastrolithen). Diese wirken wie Mahlsteine in einer Mühle und zermalmen das Futter im Magen.
Strauße brüllen wie Löwen
Strauße singen nicht, aber dafür zischen sie oder klappern sie mit ihrem Schnabel. Männliche Strauße stoßen tiefe, dröhnende Laute aus – das nennt man „Booming“. Dieser Ruf der Männchen klingt so täuschend echt nach dem Brüllen eines Löwen, dass selbst erfahrene Safariguides und Raubtiere aus der Ferne den Unterschied kaum hören können. Das Brüllen dient dazu, Reviere abzustecken.
Sinne und Fähigkeiten
Strauße haben gute Augen
Strauße haben einen extrem scharfen Sehsinn und entdecken Feinde meist, bevor es andere Tiere tun. Deshalb suchen Huftiere wie Zebras und Giraffen in der Savanne immer ihre Nähe. Sie wissen: Wenn der Strauß doof guckt, ist irgendwas im Busch!
Die schnellsten Zweibeiner
Strauße können eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichen. Das reicht locker für die Autobahn! Sie sind damit die schnellsten zweibeinigen Tiere der Erde. Aber auch wenn es so aussieht, als würden sie wie der Blitz rennen: Fliegen können sie nicht. Dazu sind sie einfach viel zu schwer.
Riesige Schritte beim Rennen
Wenn Strauße rennen, können sie dank ihrer kräftigen Beine mit einem einzigen Schritt eine Entfernung von 3,5 bis 5 m zurücklegen. Wie viel schaffst du?
Sind Strauße intelligent?
Mit einer Größe von bis zu 2,8 m können Strauße ganz schön einschüchternd wirken. Es gibt aber einen Trick, wie man dem Strauß vorgaukelt, der „Stärkere“ zu sein: Man hält sich ein Stöckchen über den Kopf. Dadurch ist man „größer“ und gilt automatisch als der „Stärkere“. Tja, Strauße lassen sich leicht austricksen – trotz ihres scharfen Sehsinns. 40 g Gehirn können eben nicht alle Informationen blitzschnell verarbeiten.
Wochenlang ohne Wasser
Ihr wissenschaftlicher Name Struthio camelus bedeutet übersetzt „Kamelvogel“. Diesen Namen verdanken sie ihrer extremen Anpassung an die Wüste: Strauße können mühelos bis zu zwei Wochen komplett ohne zu trinken überleben, da sie ihren Flüssigkeitsbedarf mit der Feuchtigkeit aus ihrer Nahrung decken.
Lebenserwartung
In der afrikanischen Savanne erreichen gesunde, ausgewachsene Strauße ein Alter von 30-40 Jahren.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Erwachsene Strauße haben im gesunden Zustand kaum natürliche Feinde. Sie können sogar Löwen töten – und zwar mit einem gezielten Fußkick à la Jackie Chan. Sie haben extrem starke Beine und an jedem Fuß eine dolchartige, bis zu 10 cm lange Kralle. Gefährdet sind nur kranke Tiere oder die kleinen Küken: Sie werden von Hyänen, Leoparden oder Schakalen gejagt.
Der Mensch
Laut der Roten Liste der IUCN gilt der Strauß insgesamt als „nicht gefährdet“. Im Norden und Osten Afrikas ist sein Lebensraum jedoch so stark geschrumpft, dass er dort bedroht ist – insbesondere der Somali-Strauß. Grund dafür ist die Umwandlung von Savannen in Weideland für Nutzvieh. Zudem wird der Strauß wegen seines Fleisches, der dicken Lederhaut und der Federn gejagt. In Asien wurde er aus diesen Gründen bereits um das Jahr 1966 komplett ausgerottet.
Ich habe in Südafrika Strauße gesehen und war auf der Stelle verliebt! Leider werden sie fast ausschließlich gehalten werden, um ausgebeutet zu werden: für ihre Eier, ihre Federn und ihr Fleisch - Dinge, die kein Mensch zum Überleben braucht. Manchmal werden sie sogar gezwungen, Menschen auf sich reiten zu lassen, was sie in Todesangst versetzt. Nur für unser Vergnügen. Ich werde nie wieder eine Straußenfarm besuchen, denn das will ich nicht unterstützen.
Silke von tierchenwelt.de
Fortpflanzung
Make-Up für die Hähne
Während der Paarungszeit ist die nackte Haut an den Beinen und am Hals der Hähne leuchtend rot. Je kräftiger die Farbe, desto anziehender wirken sie auf die Hennen.
Löwenbrüllen als Liebeslied
Um die Aufmerksamkeit der Hennen zu gewinnen und gleichzeitig Rivalen fernzuhalten, stößt der Hahn ein tiefes, dröhnendes „Booming“ aus. Dabei bläht er seinen Hals wie einen Ballon auf. Dieser Laut ist so tief, dass er kilometerweit durch die Savanne schallt.
Der Balztanz
Wenn sich eine Henne für einen Hahn interessiert, fängt er an zu „tanzen“:
- Der Hahn geht vor der Henne auf die Knie (Fersengelenke).
- Er breitet seine großen, schwarz-weißen Flügel aus und schwingt sie rhythmisch abwechselnd von links nach rechts.
- Er wirft seinen langen Hals von einer Seite zur anderen und schlägt mit dem Hinterkopf sanft auf seinen eigenen Rücken.
- Durch das Schwingen der Flügel schimmert das Gefieder im Sonnenlicht, was auf die Hennen hypnotisierend wirkt.
Das Gemeinschaftsnest
Wenn die Henne eingewilligt hat und sich beide gepaart haben, scharrt das Männchen eine flache Kuhle in den Boden – das Gemeinschaftsnest. Hier legen alle Hennen der Gruppe ihre Eier hinein, sodass oft 20 bis 60 Eier in einem Nest liegen.
Teamarbeit beim Ausbrüten
Die Haupthenne brütet tagsüber, da sie mit ihrem unauffälligen Gefieder im sandigen Boden perfekt getarnt ist. Der Hahn übernimmt die Nachtschicht, weil er mit seinen schwarzen Federn im Dunkeln quasi unsichtbar ist. Nach etwa 42 Tagen schlüpfen die Küken. Die Fortpflanzung in freier Natur ist jedoch hart: Nur etwa 15 % der Küken überleben das erste Lebensjahr, da sie eine leichte Beute für Raubtiere sind.
Die Chef-Henne erkennt ihre eigenen Eier
Die Haupthenne hat ein verblüffendes Talent: Obwohl im Gemeinschaftsnest bis zu 60 Eier liegen, kann sie ihre eigenen Eier ganz genau von den Eiern der Nebenhennen unterscheiden. Bevor das Brüten losgeht, rollt sie ihre eigenen Eier in die sicherste Position – exakt in die Mitte des Nestes, wo sie am besten geschützt sind.
Küken-Power ab dem ersten Monat
Frisch geschlüpfte Straußenküken sind bereits so groß wie ein kleines Huhn. Sie wachsen sehr schnell: in den ersten 6 Monaten etwa 25 cm pro Monat. Im Alter von nur einem Monat können sie bereits bis zu 56 km/h schnell rennen, um mit der flüchtenden Herde Schritt zu halten.
Fun Facts
Straußenfedern sind antistatisch
Antistatische Staubtücher sind sehr beliebt, weil sie jeden Fussel magisch anziehen. Strauße könnten den Hausputz mit ihren eigenen Federn erledigen, denn sie haben als einzige Vögel im gesamten Tierreich antistatische Federn.
Der Strauß ist verwandt mit:
- Elefantenvogel
- Emu
- Kasuar
- Kiwi
- Moa
- Nandu
Weitere Tiere im Lebensraum:
Quellen:
- Phylogeographic Patterns in Mitochondrial-DNA of the Ostrich (Struthio-Camelus) (https://academic.oup.com)
- Breeding biology of ostriches (Struthio camelus) in the Serengeti ecosystem, Tanzania (https://onlinelibrary.wiley.com)
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