Emu
Steckbrief Emu
| Größe | 150-190 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 50 km/h |
| Gewicht | 30-55 kg |
| Lebensdauer | 10-20 Jahre |
| Nahrung | Samen, Früchte, Gräser, Insekten |
| Feinde | Dingos, Adler, Füchse, Wildhunde |
| Verbreitung | Australien |
| Lebensraum | Grasland, Eukalyptuswälder, Savannen |
| Ordnung | Laufvögel |
| Familie | Casuariidae |
| Wissenschaftl. Name | Dromaius novaehollandiae |
| Merkmale | Zweitgrößter Laufvogel, legt grüne Eier, hat weiche Federn |
Merkmale und Besonderheiten
Emus sind große Laufvögel mit langen Beinen und langen, weichen Federn. Sie sind nach dem Strauß die zweitgrößten Vögel der Welt – und in Australien sogar die größten. Sie können nicht fliegen, aber dafür schnell laufen. Was sie macht außerdem besonders macht: Sie legen riesige dunkelgrüne Eier! Und: Im Gegensatz zu den meisten anderen Vögeln kümmert sich bei den Emus der Hahn um das Brüten und Aufziehen der Küken.
Laufvögel
Der Emu gehört ebenso wie Strauß, Nandu, Kasuar und Kiwi zu den sogenannten Laufvögeln. Wie der Name schon verrät, können sie gut und schnell rennen. Allerdings kann keiner von ihnen fliegen, denn dazu sind sie zu groß und schwer oder sie haben verkümmerte Flügel (wie der Kiwi).
Name
Der Name „Emu“ geht wahrscheinlich auf das portugiesische Wort ema oder das arabische Wort für „großer Vogel“ zurück. Portugiesische Entdecker nutzten die Bezeichnung ursprünglich für große Laufvögel wie den südamerikanischen Nandu oder den afrikanischen Strauß – bis sich der Name für den australischen Laufvogel einbürgerte.
Verbreitung und Lebensraum
Die Heimat der Emus ist Australien. Sie bevorzugen offenes Grasland, Savannen, lichte Eukalyptuswälder und Buschland. Dichte Regenwälder und extreme Wüsten meiden sie.
Lebensweise
Emus sind tagaktive Vögel. Sie verbringen viel Zeit mit der Suche nach Nahrung und Wasser. Deshalb sind sie fast immer in Bewegung und legen dabei täglich 15-25 km zurück. Am aktivsten sind sie morgens und in der Dämmerung. Eigentlich sind sie Einzelgänger, aber wenn sie wandern, bilden sie kleine Gruppen mit etwa 20 Tieren.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Emus sind die zweitgrößten Vögel der Welt. Sie erreichen eine Körpergröße von 150-190 cm und eine Schulterhöhe von 100-130 cm (ohne Hals). Obwohl sie so groß sind, wiegen sie überraschend wenig: nur 30-55 kg.
Farbe
Emus haben dunkelbraune Federn, die im Alter werden heller werden. Die Haut an ihrem Hals und ihrem Kopf ist blau.
Federn oder Haare?
Das Gefieder der Emus sieht aus wie ein zotteliges Fell. Bei den meisten Vögeln wächst aus einer Wurzel nur eine einzige Feder – so wie bei uns Menschen aus einer Haarwurzel auch nur ein Haar wächst. Beim Emu ist das anders. Aus einer „Haar“-wurzel wachsen zwei (!) Federkiele. Man nennt das eine Doppelfeder. Da die Federn im Gegensatz zu denen von anderen Vögeln keine Haken haben, sind sie sehr weich und hängen herab. Es sieht so aus, als wären es viele feine Haare.
Beine und Wadenmuskulatur
Emus besitzen extrem kräftige Hinterbeine mit drei Zehen. Als einzige Vögel weltweit haben sie Wadenmuskeln, die denen von Säugetieren ähneln. Diese Muskeln wirken beim Laufen wie Sprungfedern und ermöglichen Schrittlängen von bis zu 2,7 m.
Augen
Emus haben eine durchsichtige Haut über den Augen. Es ist die sogenannte Nickhaut, die wie ein drittes Augenlid funktioniert. Sie hilft ihnen, die Augen feucht zu halten. In trockenen Gebieten schützt sie auch vor Staub und Schmutz.
Ernährung
Emus sind Allesfresser. Sie bevorzugen pflanzliche Nahrung wie Blätter, Gras, Samen, Früchte und Beeren. Außerdem fressen sie Käfer, Raupen, Heuschrecken und wirbellose Tiere. Sie haben keine Zähne, um ihre Nahrung zu zerschneiden oder zu kauen. Stattdessen schlucken sie sie einfach herunter. Um die Nahrung zu zerkleinern, nehmen sie auch kleine Steine zu sich. Sie zerdrücken die Nahrung im Magen.
Verhalten
Sind Emus gefährlich?
Emus sind friedliche Vögel. Aggressiv werden sie nur bei Bedrohung oder zur Verteidigung ihres Nests.
Wie verteidigen sich Emus?
Bei Gefahr fliehen Emus im Zickzack-Kurs! Aber was ist, wenn sie nicht rechtzeitig wegrennen können? Dann können sie richtig ungemütlich werden. Wenn ein Raubtier zu nahe kommt, verpassen sie ihm einen kräftigen Tritt mit ihren starken Beinen. Dabei kann der Angreifer schwer verwundet werden, denn an den Füßen befinden sich drei lange, spitze Zehen!
Anpassung an Hitze und Kälte
- Bei Hitze: Die Federn helfen dem Emu, seine Körpertemperatur zu halten. Wenn ihm warm ist, hebt er seine Flügel und wedelt mit ihnen. Um sich abzukühlen, hechelt er manchmal auch wie ein Hund!
- Bei Kälte: Wenn es kalt ist, plustert er sich auf, um warme Luft zwischen den Federn „einzuschließen“.
- Baden: Emus baden gerne in flachen Gewässern. Nach dem Bad schütteln sie sich wie ein nasser Hund, um ihr Gefieder zu trocknen.
Wanderungen: Dem Regen hinterher
Emus wandern auf der Suche nach Nahrung und Wasser manchmal weite Strecken. Meistens gehen sie in die Richtung, in der sie Regen vermuten. Im Winter bewegen sie sich vor allem Richtung Süden und im Sommer nach Norden.
Sinne und Fähigkeiten
Geschwindigkeit
Der Emu ist nicht ganz so schnell wie der Strauß, erreicht aber eine atemberaubende Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h. Mit einem Schritt kann er einen Satz von 2,7 m machen.
Ungewöhnliche Laute
Emus geben sehr ungewöhnliche Laute von sich. Sie zischen, grunzen, bellen und knurren. Ein besonderer Laut ist das sogenannte „booming“. Es sind tiefe Trommel- und Paukengeräusche, die von den Hennen mithilfe eines aufblasbaren Luftsacks im Hals erzeugt werden. Das „booming“ ist sogar noch in einer Entfernung von über 1,5 km zu hören.
Lebenserwartung
In freier Wildbahn werden Emus 10-20 Jahre alt. Der älteste Emu, der je gelebt hat, wurde 38 Jahre alt.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Erwachsene Emus haben in Australien aufgrund ihrer Größe nur wenige Feinde. Der gefährlichste natürliche Gegner ist der Dingo. Er jagt oft im Rudel und versucht, den Emu am Hals zu packen. Für Küken und Eier stellen zudem Keilschwanzadler, große Warane und Beutelmarder eine Gefahr dar.
Der Mensch
Der Emu gilt nicht als bedrohte Tierart. Dennoch gibt es einige Bedrohungen: die Landwirtschaft (hauptsächlich für die Viehzucht), Straßenbau und Straßenverkehr, Dingo-Zäune und der Klimawandel. Außerdem machen eingeschleppte Raubtiere wie Füchse sowie verwilderte Hunde und Katzen Jagd auf die Eier und Küken.
Bedeutung für das Ökosystem
Emus essen Samen und Kerne. Diese werden aber nicht verdaut, sondern verlassen Magen und Darm unbeschadet. Da die Tiere jeden Tag einige Kilometer umherwandern, helfen sie also, neue Pflanzen zu säen. Außerdem halten sie die Anzahl der Insekten im Gleichgewicht.
Fortpflanzung
Grüne Rieseneier
Emu-Eier sind dunkelgrün bis fast schwarz und haben eine raue Schale. Sie sind etwa 13-15 cm groß, haben einen Durchmesser von 9 cm und wiegen 500-700 g – das entspricht der Masse von etwa 10-12 Hühnereiern.
Die Hennen (!) werben um die Hähne
Bei den Emus werben nicht die Hähne um die Hennen, sondern umgekehrt. Die Henne umkreist den Hahn in einer Entfernung von 10-50 m. Wenn er interessiert ist, kommt er näher und die beiden paaren sich. Im Abstand von zwei bis drei Tagen werden insgesamt 5-15 Eier gelegt. Dann zieht die Henne weiter, um sich erneut zu paaren und Eier zu legen. Was geschieht nun? Bleiben die Eier unbewacht?
Der Vater brütet allein
Zum Glück sind die männlichen Emus sehr fürsorgliche Väter. Sobald die Eier ins Nest purzeln, essen und trinken sie nicht mehr, damit sie das Nest rund um die Uhr bewachen und bebrüten können. Für acht Wochen! Wenn die Küken schlüpfen, hat der Vater meist ein Drittel seines Gewichts verloren.
Und er zieht die Küken auf
Auch nach dem Schlüpfen kümmert sich der Hahn aufopferungsvoll um die Küken. Er beschützt sie und hält alle Gefahren fern. Außerdem bringt er ihnen bei, was sie essen können. Nach sechs Monaten sind die Küken ausgewachsen. Sie bleiben aber noch weitere 12 Monate bei ihrem Vater.
Erster Vogel mit Zwillingsküken
Zwillingsgeburten gibt es bekanntlich nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Säugetieren. In der Vogelwelt sind diese aber sehr ungewöhnlich. Der Emu ist der erste Vogel, der nachweislich völlig gleiche, eineiige Zwillingsküken hervorgebracht hat.
Fun Facts
Emu in the Sky
Bei den Aborigines wird der Emu nicht durch Sterne, sondern durch dunkle Staubwolken in der Milchstraße dargestellt.
Der Emu-Krieg von 1932
Im Jahr 1932 verwüsteten Emus Weizenfelder. Die australische Regierung beauftragte Soldaten, sie abzuschießen. Da die Emus aber so schnell sind und plötzlich ihre Laufrichtung ändern können, musste der „Krieg“ erfolglos abgebrochen werden.
Beliebtes Symbol
In Australien sind mehr als 600 Orte nach dem Emu benannt: Berge, Seen, Flüsse, Städte, Biersorten, Zeitschriften und vieles mehr. Zusammen mit dem Känguru ist der Emu sogar auf dem australischen Staatswappen abgebildet. Beide Tiere stehen symbolisch für den Fortschritt, da sie sich nur schwer rückwärts bewegen können.
Der Emu ist verwandt mit:
- Kasuar
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Ameisenigel
- Bartagame
- Braunschlange
- Dingo
- Kakadu
- Koala
- Rotes Riesenkänguru
- Wombat
Quellen:
- Genetically identical avian twins (https://www.cambridge.org)
- Bird Families of the World: Ratites and Tinamous: Tinamidae, Rheidae, Dromaiidae, Casuariidae, Apterygidae, Struthionidae (https://www.researchgate.net)
- Pelvic limb musculature in the emu Dromaius novaehollandiae (Aves: Struthioniformes: Dromaiidae): adaptations to high-speed running (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
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