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Wanderfalke

Wanderfalke Wanderfalke - Foto: Chris Hill/Shutterstock

Steckbrief Wanderfalke

Größe 35-51 cm (Spannweite 79-114 cm)
Geschwindigkeit Bis 322 km/h (Sturzflug)
Gewicht 550-1300 g
Lebensdauer 15-18 Jahre
Nahrung Vögel
Feinde Raubtiere, andere Greifvögel
Lebensraum Weltweit
Ordnung Falkenartige
Familie Falkenartige
Wissenschaftl. Name Falco peregrinus
Merkmale Schnellster Vogel der Welt; Bänderung an der Brust

Merkmale und Besonderheiten

Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Welt. Im Sturzflug erreicht er Geschwindigkeiten von über 300 km/h – deshalb wird er oft als „Gepard der Lüfte“ bezeichnet. Seine auffälligsten Merkmale sind die Bänderung an der Brust, der gelbe Schnabelansatz und die gelb umrandeten Augen. Er ist fast weltweit verbreitet und nutzt natürliche Felsklippen genauso geschickt als Lebensraum wie hohe Gebäude in modernen Großstädten.

Ein Wanderfalke erreicht im Sturzflug über 300 km/h Ein Wanderfalke erreicht im Sturzflug über 300 km/h - Foto: blackrabbit3/stock.adobe.com

Verbreitung und Lebensraum

Der Wanderfalke ist ein echter Weltenbummler. Kein anderer Greifvogel ist so weit verbreitet wie er. Man findet ihn auf fast jedem Kontinent und in unterschiedlichsten Lebensräumen – von der eisigen Tundra über Wüsten und Gebirge bis hin zu Küsten. Als Kulturfolger hat er sich sogar die Stadt erobert und brütet heute erfolgreich in Kirchtürmen, auf Hochhäusern oder Brückenpfeilern.

Der Wanderfalke hat ein spannende Brustgefieder Der Wanderfalke hat ein spannende Brustgefieder - Foto: Kirk Wester/stock.adobe.com

Verwandtschaft

Wanderfalken sind interessanterweise keine (!) engen Verwandten von Adlern, Bussarden oder Habichten. Genetische Untersuchungen zeigen, dass sie näher mit Papageien und Singvögeln verwandt sind. Dass sie anderen Greifvögeln so ähnlich sehen, liegt an der sogenannten „konvergenten Evolution“ (konvergent = „übereinstimmend“): Als Jäger der Lüfte haben sie ähnliche körperliche Merkmale entwickelt. Es ist so, als ob ein Rennfahrer und ein Pilot beide einen Helm tragen – nur weil sie beide Helme tragen, sind sie aber keine Brüder.

Lebensweise

Wanderfalken sind tagaktiv. Die meiste Zeit verbringen sie auf einem „Ansitz“, einem Ort mit Rundumblick (wie Felsvorsprünge, Baumwipfel, Kirchturmspitzen). Von dort starten sie ihre Jagd. Sie sind Einzelgänger und verbringen den Großteil ihres Lebens für sich, außer während der Paarungszeit.

Wanderfalke Körperbau und Aussehen Wanderfalke Körperbau und Aussehen - Foto: Brian E Kushner/Shutterstock

Körperbau und Aussehen

Größe und Gewicht

Wanderfalken werden 35-51 cm groß und haben eine Spannweite von 79-114 cm. Ihr Gewicht liegt bei 330-1.500 g. Spannend ist: Wie bei den meisten Greifvögeln ist auch beim Wanderfalken das Weibchen größer und schwerer als das Männchen.

Gebogener Schnabel

Die Spitze des Oberschnabels ist extrem scharf und nach unten gebogen – wie ein Skalpell, um Beute sauber zu zerteilen.

Der Falkenzahn (Tomial-Zahn)

Der Falkenzahn ist kein echter Zahn aus Knochen wie bei uns. Ein kleiner, hornartiger Zacken hinter der Schnabelspitze. Er funktioniert wie ein Knochenbrecher und ermöglicht es dem Falken, die Wirbelsäule der Beute mit einem gezielten Biss sofort zu durchtrennen.

Nasenhöcker (Tuberkel)

Die Nasenhöcker sind winzige knöcherne Erhebungen in der Mitte der Nasenlöcher. Sie sind wie Windabweiser und lenken den extremen Luftdruck im Sturzflug ab, damit der Wanderfalke problemlos atmen kann, ohne dass seine Lungen Schaden nehmen.

Die Flügel des Wanderfalken sind perfekt für schnelle Richtungswechsel geformt Die Flügel des Wanderfalken sind perfekt für schnelle Richtungswechsel geformt - Foto: Kamil/stock.adobe.com

Anpassungen

  • Spitze, schmale Flügel: für schnelle Richtungswechsel
  • Steife Federn: widerstandsfähig bei hohem Tempo
  • Starke Brustmuskulatur: für maximale Beschleunigung
  • Nasenhöcker (Tuberkel): lenken im Sturzflug den Luftstrom ab
  • Falkenzahn (Tomial-Zahn): hilft, Beutetiere schnell zu töten
  • Große Augen: hervorragende Sehkraft zur Einschätzung von Entfernungen
  • Nickhaut: drittes Augenlid zum Schutz vor Wind, Staub und Austrocknung
  • Bartstreif (Malar-Streifen): dunkles Gefieder unter den Augen; wie eine Sonnenbrille
  • Bänderung an der Brust – perfekte die Tarnung vor Felswänden

Ein Wanderfalke hält ein Beutetier in seinen Krallen während er fliegt Ein Wanderfalke hält ein Beutetier in seinen Krallen während er fliegt - Foto: FotoRequest/stock.adobe.com

Ernährung

Der Wanderfalke ist ein Fleischfresser. Er ernährt sich fast ausschließlich von anderen Vögeln, insbesondere von Tauben, aber auch von Watvögeln und Singvögeln. Nagetiere jagt er nur in Ausnahmefällen.

Verhalten

Jagdtechnik

Der Wanderfalke ist ein „Stuntman der Lüfte“. Hier sind seine 6 „Kampf-Phasen“, mit denen er jede Jagd gewinnt:

  • 1. Vorbereitung ist alles: Er sucht einen erhöhten Ort als „Startrampe“ und hält Ausschau.
  • 2. Angriff aus dem Nichts: Mit über 300 km/h schießt er im Sturzflug auf seine Beute herab (bis zu 322 km/h).
  • 3. Der Karate-Kick: In der Luft verpasst er seiner Beute einen Tritt mit seinen Krallen und macht sie bewusstlos – wie ein Martial-Arts-Kämpfer.
  • 4. Luft-Akrobatik: Er fängt seine Beute blitzschnell, noch bevor sie den Boden berührt.
  • 5. Biss mit dem Falkenzahn: Mit einem gezielten Biss in den Nacken und tötet seine Beute.
  • 6. Rupfen: An einem sicheren Ort (auch „Falkenrupfung“genannt) entfernt er das Gefieder, bevor er seine Beute verspeist.

Wanderfalke Wanderfalke - Foto: Debbie Steinhausser/Shutterstock

Fähigkeiten und Sinne

Geschwindigkeit

Im Sturzflug, dem sogenannten „Stoop“, erreicht der Wanderfalke Geschwindigkeiten von bis zu 322 km/h.

Sehsinn

Der Wanderfalke hat eine hervorragende Sehkraft. Er kann Beutetiere in mehreren Kilometern Entfernung entdecken. Um zu sehen, ob es sich um eine Taube oder einen andern Vogel handelt, muss er sich jedoch auf 1-2 km nähern. Es heißt, er kann dreimal schärfer sehen als Menschen.

Ein Wanderfalke erreicht im Sturzflug über 300 km/h Ein Wanderfalke erreicht im Sturzflug über 300 km/h - Foto: blackrabbit3/stock.adobe.com

Feinde und Bedrohungen

Natürliche Feinde

Sein größter natürlicher Feind ist der Uhu. Er jagt nachts und überrascht den Wanderfalken im Schlaf. Die größte Gefahr für den Nachwuchs sind schlaue Nesträuber wie Marder, Raben und Krähen.

Der Mensch

Pestizide

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wäre der Wanderfalke beinahe ausgestorben. Grund dafür war das Pflanzenschutzmittel DDT. Dieses Gift sorgte dafür, dass die Eierschalen der Wanderfalken zu dünn waren und die Küken starben. Zum Glück wurde die Art unter strengen Schutz gestellt. Laut einer Schätzung der IUCN gibt es weltweit wieder 100.000-500.000 erwachsene Tiere. Deshalb gilt er heute nicht mehr als gefährdet.

Wanderfalke Wanderfalken-Küken - Foto: Alexander Erdbeer/Shutterstock

Fortpflanzung

Abenteuerlicher Balzflug

Männchen beeindrucken Weibchen mit Loopings und Sturzflügen. Außerdem „übergeben“ sie als Zeichen ihrer Zuneigung Beutetiere als Geschenk. Er lässt sie währendes Flugs fallen und sie fängt sie ebenfalls im Flug auf.

Treue zu Lebensraum und Partner

Wanderfalken bleiben oft ein Leben lang zusammen und kehren jedes Jahr zum selben Brutplatz zurück.

Kein klassisches Nest

Wanderfalken bauen keine kunstvollen Nester aus Zweigen. Sie scharren eine einfache Mulde im Untergrund (Kies, Fels oder Mauerwerk), in die sie ihre Eier legen.

Teamarbeit beim Brüten

Wenn das Weibchen 3-4 Eier gelegt hat, bleibt sie im Nest, um sie auszubrüten und vor Feinden zu beschützen. Das Männchen jagt für das Weibchen und bringt ihr die Beute, die es gefangen hat.

Flauschige Wattebällchen

Küken starten als kleine, flauschige „Wattebällchen“. Nach 4–6 Wochen entwickeln sie ihr Gefieder und trainieren ihre Flugmuskulatur. Nach etwa 3 Monaten sind selbstständig.


Das Wanderfalke ist verwandt mit:

  • Amurfalke
  • Buntfalke
  • Gerfalke
  • Turmfalke

Weitere Tiere im Lebensraum:


Quellen:

  • Aktualisiert am

Alle Greifvögel im Überblick


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