Wanderfalke
Steckbrief Wanderfalke
| Größe | 35-51 cm (Spannweite 79-114 cm) |
| Geschwindigkeit | Bis 322 km/h (Sturzflug) |
| Gewicht | 550-1300 g |
| Lebensdauer | 15-18 Jahre |
| Nahrung | Vögel |
| Feinde | Raubtiere, andere Greifvögel |
| Lebensraum | Weltweit |
| Ordnung | Falkenartige |
| Familie | Falkenartige |
| Wissenschaftl. Name | Falco peregrinus |
| Merkmale | Schnellster Vogel der Welt; Bänderung an der Brust |
Merkmale und Besonderheiten
Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Welt. Im Sturzflug erreicht er Geschwindigkeiten von über 300 km/h – deshalb wird er oft als „Gepard der Lüfte“ bezeichnet. Seine auffälligsten Merkmale sind die Bänderung an der Brust, der gelbe Schnabelansatz und die gelb umrandeten Augen. Er ist fast weltweit verbreitet und nutzt natürliche Felsklippen genauso geschickt als Lebensraum wie hohe Gebäude in modernen Großstädten.
Verbreitung und Lebensraum
Der Wanderfalke ist ein echter Weltenbummler. Kein anderer Greifvogel ist so weit verbreitet wie er. Man findet ihn auf fast jedem Kontinent und in unterschiedlichsten Lebensräumen – von der eisigen Tundra über Wüsten und Gebirge bis hin zu Küsten. Als Kulturfolger hat er sich sogar die Stadt erobert und brütet heute erfolgreich in Kirchtürmen, auf Hochhäusern oder Brückenpfeilern.
Verwandtschaft
Wanderfalken sind interessanterweise keine (!) engen Verwandten von Adlern, Bussarden oder Habichten. Genetische Untersuchungen zeigen, dass sie näher mit Papageien und Singvögeln verwandt sind. Dass sie anderen Greifvögeln so ähnlich sehen, liegt an der sogenannten „konvergenten Evolution“ (konvergent = „übereinstimmend“): Als Jäger der Lüfte haben sie ähnliche körperliche Merkmale entwickelt. Es ist so, als ob ein Rennfahrer und ein Pilot beide einen Helm tragen – nur weil sie beide Helme tragen, sind sie aber keine Brüder.
Lebensweise
Wanderfalken sind tagaktiv. Die meiste Zeit verbringen sie auf einem „Ansitz“, einem Ort mit Rundumblick (wie Felsvorsprünge, Baumwipfel, Kirchturmspitzen). Von dort starten sie ihre Jagd. Sie sind Einzelgänger und verbringen den Großteil ihres Lebens für sich, außer während der Paarungszeit.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Wanderfalken werden 35-51 cm groß und haben eine Spannweite von 79-114 cm. Ihr Gewicht liegt bei 330-1.500 g. Spannend ist: Wie bei den meisten Greifvögeln ist auch beim Wanderfalken das Weibchen größer und schwerer als das Männchen.
Gebogener Schnabel
Die Spitze des Oberschnabels ist extrem scharf und nach unten gebogen – wie ein Skalpell, um Beute sauber zu zerteilen.
Der Falkenzahn (Tomial-Zahn)
Der Falkenzahn ist kein echter Zahn aus Knochen wie bei uns. Ein kleiner, hornartiger Zacken hinter der Schnabelspitze. Er funktioniert wie ein Knochenbrecher und ermöglicht es dem Falken, die Wirbelsäule der Beute mit einem gezielten Biss sofort zu durchtrennen.
Nasenhöcker (Tuberkel)
Die Nasenhöcker sind winzige knöcherne Erhebungen in der Mitte der Nasenlöcher. Sie sind wie Windabweiser und lenken den extremen Luftdruck im Sturzflug ab, damit der Wanderfalke problemlos atmen kann, ohne dass seine Lungen Schaden nehmen.
Anpassungen
- Spitze, schmale Flügel: für schnelle Richtungswechsel
- Steife Federn: widerstandsfähig bei hohem Tempo
- Starke Brustmuskulatur: für maximale Beschleunigung
- Nasenhöcker (Tuberkel): lenken im Sturzflug den Luftstrom ab
- Falkenzahn (Tomial-Zahn): hilft, Beutetiere schnell zu töten
- Große Augen: hervorragende Sehkraft zur Einschätzung von Entfernungen
- Nickhaut: drittes Augenlid zum Schutz vor Wind, Staub und Austrocknung
- Bartstreif (Malar-Streifen): dunkles Gefieder unter den Augen; wie eine Sonnenbrille
- Bänderung an der Brust – perfekte die Tarnung vor Felswänden
Ernährung
Der Wanderfalke ist ein Fleischfresser. Er ernährt sich fast ausschließlich von anderen Vögeln, insbesondere von Tauben, aber auch von Watvögeln und Singvögeln. Nagetiere jagt er nur in Ausnahmefällen.
Verhalten
Jagdtechnik
Der Wanderfalke ist ein „Stuntman der Lüfte“. Hier sind seine 6 „Kampf-Phasen“, mit denen er jede Jagd gewinnt:
- 1. Vorbereitung ist alles: Er sucht einen erhöhten Ort als „Startrampe“ und hält Ausschau.
- 2. Angriff aus dem Nichts: Mit über 300 km/h schießt er im Sturzflug auf seine Beute herab (bis zu 322 km/h).
- 3. Der Karate-Kick: In der Luft verpasst er seiner Beute einen Tritt mit seinen Krallen und macht sie bewusstlos – wie ein Martial-Arts-Kämpfer.
- 4. Luft-Akrobatik: Er fängt seine Beute blitzschnell, noch bevor sie den Boden berührt.
- 5. Biss mit dem Falkenzahn: Mit einem gezielten Biss in den Nacken und tötet seine Beute.
- 6. Rupfen: An einem sicheren Ort (auch „Falkenrupfung“genannt) entfernt er das Gefieder, bevor er seine Beute verspeist.
Fähigkeiten und Sinne
Geschwindigkeit
Im Sturzflug, dem sogenannten „Stoop“, erreicht der Wanderfalke Geschwindigkeiten von bis zu 322 km/h.
Sehsinn
Der Wanderfalke hat eine hervorragende Sehkraft. Er kann Beutetiere in mehreren Kilometern Entfernung entdecken. Um zu sehen, ob es sich um eine Taube oder einen andern Vogel handelt, muss er sich jedoch auf 1-2 km nähern. Es heißt, er kann dreimal schärfer sehen als Menschen.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Sein größter natürlicher Feind ist der Uhu. Er jagt nachts und überrascht den Wanderfalken im Schlaf. Die größte Gefahr für den Nachwuchs sind schlaue Nesträuber wie Marder, Raben und Krähen.
Der Mensch
Pestizide
Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wäre der Wanderfalke beinahe ausgestorben. Grund dafür war das Pflanzenschutzmittel DDT. Dieses Gift sorgte dafür, dass die Eierschalen der Wanderfalken zu dünn waren und die Küken starben. Zum Glück wurde die Art unter strengen Schutz gestellt. Laut einer Schätzung der IUCN gibt es weltweit wieder 100.000-500.000 erwachsene Tiere. Deshalb gilt er heute nicht mehr als gefährdet.
Fortpflanzung
Abenteuerlicher Balzflug
Männchen beeindrucken Weibchen mit Loopings und Sturzflügen. Außerdem „übergeben“ sie als Zeichen ihrer Zuneigung Beutetiere als Geschenk. Er lässt sie währendes Flugs fallen und sie fängt sie ebenfalls im Flug auf.
Treue zu Lebensraum und Partner
Wanderfalken bleiben oft ein Leben lang zusammen und kehren jedes Jahr zum selben Brutplatz zurück.
Kein klassisches Nest
Wanderfalken bauen keine kunstvollen Nester aus Zweigen. Sie scharren eine einfache Mulde im Untergrund (Kies, Fels oder Mauerwerk), in die sie ihre Eier legen.
Teamarbeit beim Brüten
Wenn das Weibchen 3-4 Eier gelegt hat, bleibt sie im Nest, um sie auszubrüten und vor Feinden zu beschützen. Das Männchen jagt für das Weibchen und bringt ihr die Beute, die es gefangen hat.
Flauschige Wattebällchen
Küken starten als kleine, flauschige „Wattebällchen“. Nach 4–6 Wochen entwickeln sie ihr Gefieder und trainieren ihre Flugmuskulatur. Nach etwa 3 Monaten sind selbstständig.
Das Wanderfalke ist verwandt mit:
- Amurfalke
- Buntfalke
- Gerfalke
- Turmfalke
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Amsel
- Dohle
- Drossel
- Felsentaube
- Fledermaus
- Grünspecht
- Kiebitz
- Kolkrabe
- Krickente
- Lachmöwe
- Mauereidechse
- Mauersegler
- Maus
- Ratte
- Ringeltaube
- Siebenschläfer
- Stadttaube
- Star
- Steinbock
- Turmfalke
- Uhu
- Waldohreule
Quellen:
- Whole-genome analyses resolve early branches in the tree of life of modern birds (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- Diving-Flight Aerodynamics of a Peregrine Falcon (Falco peregrinus) (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
- Physics-based simulations of aerial attacks by peregrine falcons reveal that stooping at high speed maximizes catch success against agile prey (https://journals.plos.org)
- Falcons pursue prey using visual motion cues: new perspectives from animal-borne cameras (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
- The Deep Fovea, Sideways Vision and Spiral Flight Paths in Raptors (https://www.researchgate.net)
- Breeding habitat selection of urban peregrine falcons (Falco peregrinus) in London (https://www.researchgate.net)
- Aktualisiert am






























