Kolibri
Steckbrief Kolibri
| Größe | 5-25 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 48 km/h |
| Gewicht | 1,6 bis 24 g |
| Lebensdauer | 3-5 Jahre |
| Nahrung | Nektar, Baumsäfte, Insekten, Spinnen |
| Feinde | Vögel, Schlangen, Echsen |
| Verbreitung | Amerika |
| Lebensraum | Tropische Wälder, Bergwälder, Nadelwälder, Buschlandschaften |
| Ordnung | Seglervögel |
| Familie | Kolibris |
| Wissenschaftl. Name | Trochilidae |
| Merkmale | Mini-Vogel, langer, dünner Schnabel, kann rückwärts fliegen |
Merkmale und Besonderheiten
Kolibris sind die kleinsten und zierlichsten Vögel der Welt – aber sie besitzen Fähigkeiten, die kein anderes Tier hat! Sie sind berühmt dafür, rückwärts zu fliegen. Sie können aber auch seitwärts nach links und rechts fliegen. Wie ein Hubschrauber.
Name
Auf Englisch heißt der Kolibri „Hummingbird“, weil sein schnelles Flügelschlagen ein brummendes Geräusch macht („humming“ heißt „summend“ oder „brummend“). Auf Deutsch wird er wegen seiner einzigartigen Flugkünste auch Schwirrvogel genannt. Ein weiterer Name ist Honigvogel, weil er eine Vorliebe für süßen Nektar hat.
Arten
Es gibt über 350 Arten von Kolibriarten. Zu den häufigsten zählen der Rubinkehlkolibri, der Rotrücken-Kolibri, der Annakolibri und die Breitschwanzelfe.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung
Kolibris leben ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent – man nennt sie deshalb auch Vögel der „Neuen Welt“. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Süden Alaskas über Nordamerika und Mittelamerika bis hinunter nach Feuerland in Südamerika. In Europa oder Afrika gibt es in freier Wildbahn keine Kolibris. Wenn du im heimischen Garten einen Kolibri siehst, ist es eigentlich ein Taubenschwänzchen – ein faszinierender Schmetterling, der den Schwebeflug der Kolibris perfekt nachahmt.
Lebensraum
Kolibris sind wahre Anpassungskünstler. Sie besiedeln völlig unterschiedliche Lebensräume: Dazu gehören die dichten tropischen Regenwälder, trockene Wüsten und Savannen sowie die kalten Bergregionen der Anden in über 4.000 Metern Höhe. Viele Arten haben sich zudem als Kulturfolger an den Menschen angepasst und leben in Gärten und Parks.
Lebensweise
Kolibris sind tagaktiv. Ihr Leben dreht sich fast ausschließlich um die Nahrungssuche. Weil sie sich so schnell bewegen, verbrauchen sie unfassbar viel Energie. Kolibris sind absolut keine Teamplayer. Sie sind leidenschaftliche Einzelgänger und verteidigen ihre Lieblingsblüten aggressiv gegen andere Kolibris.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Kolibris werden etwa 5-25 cm groß und haben eine Flügelspannweite von 9-21,5 cm. Ihr Gewicht liegt zwischen 1,6 g und 24 g.
Das schimmernde Gefieder
Die meisten Kolibris besitzen ein metallisch schimmerndes Gefieder. Je nachdem, aus welchem Winkel das Licht auf die Federn fällt, ändert sich ihre Farbe. Dieser optische Effekt wird als Interferenz bezeichnet (= Überlagerung von Lichtwellen). Du kennst diesen bunten Regenbogen-Effekt von Seifenblasen oder Öltropfen, die sich auf einer nassen Straße ausbreiten.
Der Schnabel - kein Strohhalm
Lange Zeit dachte man, Kolibris würden ihren Schnabel wie einen Strohhalm benutzen und den Nektar heraufsaugen. Das stimmt jedoch nicht. Um zu trinken, öffnet der Vogel den Schnabel leicht und streckt seine extrem lange, an der Spitze gespaltene Zunge tief in den Blütenkelch hinein.
Rekorde
Der kleinste Kolibri
Der kleinste Kolibri (und gleichzeitig der kleinste Vogel der Erde) ist die Bienenelfe. Von der Schnabelsitze bis zur Schwanzfeder misst sie gerade einmal 5-6 cm. Damit ist sie kaum größer als ein normaler USB-Stick oder eine Visitenkarte.
Der größte Kolibri
Das andere Extrem ist der Riesenkolibri, der im Westen Südamerikas lebt und eine stattliche Körperlänge von bis zu 25 cm erreicht.
Der Kolibri mit dem längsten Schnabel
Diesen Rekord hält der Schwertschnabelkolibri, der in den Anden von Venezuela bis Boliven lebt. Sein Schnabel wird über 10 cm lang. Er ist damit der einzige Vogel der Welt, dessen Schnabel länger ist als sein gesamter restlicher Körper!
Das kleinste Vogelei
Von allen Vögeln auf der Welt legt die Zwergelfe die kleinsten Eier. Im Jahr 1998 wurde vom Guinness Buch der Rekorde offiziell bestätigt, dass ein Weibchen zwei Eier legte, die weniger als 10 mm lang waren und winzige 0,365 g bzw. 0,375 g wogen.
Ich habe schon einmal einen Kolibri gesehen und habe natürlich versucht, ihn zu fotografieren. Keine Chance! Die Flügel bewegen sich so schnell, dass ich lauter unscharfe Fotos hatte ;)
Silke von tierchenwelt.de
Ernährung
Blütennektar und Insekten
Obwohl Kolibris als reine Pflanzenfresser gelten, sind sie biologisch gesehen Allesfresser. Sie ernähren sich fast ausschließlich von zuckerreichem Blütennektar und süßen Baumsäften, jagen aber auch ab und zu kleine Insekten, Blattläuse und Spinnen aus der Luft oder von Blättern. Diese tierische Kost ist lebenswichtig, um den Bedarf an Eiweiß (Proteinen) und Mineralstoffen zu decken – besonders während der Aufzucht der Jungvögel.
Warum brauchen sie so viel Nektar?
Kolibris verbringen einen Großteil ihres Lebens im Flug. Um im Schwebeflug an den Blüten zu trinken, schlagen sie extrem schnell mit ihren Flügeln. Das ist ganz schön anstrengend und verbraucht viel, viel Energie. Deshalb brauchen sie jede Menge Nektar, denn er enthält energiereichen Zucker.
Sie trinken das 5-fache ihres Gewichts
Um ihren riesigen Energiebedarf zu decken, trinken Kolibris jeden Tag etwa das Fünffache ihres eigenen Körpergewichts an flüssigem Nektar. Zu ihrem Glück haben sie extrem gut funktionierende Nieren. Wir Menschen würden bei dem Versuch, genauso viel zu trinken, sterben. Unsere Nieren könnten nicht so viel Flüssigkeit auf einmal verarbeiten.
Verhalten
Der Schwirrflug
Kolibris besitzen sehr bewegliche Flügelgelenke. Dadurch können sie ihre Flügel im Flug um 180 Grad drehen und sie in Forme einer liegenden Acht bewegen. Diese Flugtechnik, der sogenannte Schwirrflug, ermöglicht ihnen rückwärts, seitwärts und auf der Stelle zu fliegen. Diese „Technik“ finden wir sonst nur bei Insekten wie Bienen, Schwebfliegen, Libellen und Taubenschwänzchen.
Winterschlaf für eine Nacht
Wenn es nachts kalt wird, nutzen Kolibris einen genialen Überlebens-Trick: Sie senken ihre Körpertemperatur von normalen 40 °C auf bis zu 9 °C. Ihr Herz schlägt dann statt der üblichen 1.200-mal nur noch etwa 50-mal pro Minute. In dieser tiefen Energiespar-Starre (Torpor) verbrauchen sie kaum Energie und verhindern, dass sie in der kalten Nacht verhungern.
Sinne und Fähigkeiten
Sehsinn
Kolibris haben einen ausgezeichneten Sehsinn. Sie können sogar ultraviolettes Licht (UV-Licht) wahrnehmen. Dadurch sehen sie Muster auf Blüten, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Sie lieben die Farben Rot und Orange – das signalisiert ihnen meistens: „Hier gibt es viel süßen Nektar!“
Geruchssinn
Im Gegensatz zu den meisten Vögeln besitzen Kolibris einen empfindlichen Geruchssinn. Er hilft ihnen, Nahrung zu finden und gefährliche Insekten zu meiden.
Kolibris trinken im Flug
Kolibris ernähren sich fast ausschließlich im Fliegen. Während sie scheinbar mühelos in der Luft schweben, trinken sie süßen Nektar aus den Blütenkelchen. Sie tunken ihre Zunge beim Trinken 15-20 Mal pro Sekunde (!) in Nektar. Die Zungenränder rollen sich dabei im Bruchteil einer Sekunde zusammen, fangen die Flüssigkeit ein und „pumpen“ den süßen Saft auf diese Weise nach oben.
Lebenserwartung
In freier Wildbahn werden Kolibris 3-5 Jahre alt. Den Rekord hält eine Breitschwanzelfe. Sie wurde 1976 beringt und 1987 erneut gefangen. Sie wurde über 12 Jahre alt.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Kolibris werden sie von größeren Vögeln (wie Falken), Schlangen und Echsen gejagt. Sogar große Insekten wie Libellen oder Gottesanbeterinnen können besonders kleinen Kolibris gefährlich werden. In der Nähe von Menschen sind zudem Hauskatzen eine große Bedrohung.
Der Mensch
Das größte Problem für die Tiere ist der Verlust ihres Lebensraums. Wenn Wälder abgeholzt werden, schwindet ihre Nahrung. Auch der Klimawandel sorgt dafür, dass Pflanzen zu anderen Zeiten blühen. Das bringt den Zeitplan der Kolibris auf ihren langen Wanderungen durcheinander.
Bedeutung für das Ökosystem
In ihrer Heimat sind Kolibris unersetzlich: Sie fliegen als unverzichtbare Bestäuber von Pflanze zu Pflanze. Da sie über 7.000 verschiedene Pflanzenarten besuchen, sichern sie das Überleben und die Fortpflanzung unzähliger seltener Blumen und Bäume im amerikanischen Ökosystem.
Fortpflanzung
Sturzflüge als Paarungsritual
Um die Aufmerksamkeit der Weibchen zu gewinnen, vollführen die Männchen zur Paarungszeit waghalsige Sturzflüge aus großen Höhen. Nach der erfolgreichen Paarung trennen sich die Wege der Partner aber wieder – das Männchen zieht weiter, während das Weibchen den Nestbau allein übernimmt.
Das dehnbare Nest
Das Weibchen baut ein winziges, perfekt getarntes Nest aus Moos, Flechten und weichen Pflanzenfasern. Der geniale Trick dabei: Sie verwebt alles mit Spinnenseide. Dadurch ist das Nest extrem dehnbar und flexibel. Wenn die Küken wachsen, dehnt sich das Nest einfach aus, anstatt zu zerreißen.
Die Aufzucht
Nach einer Brutzeit von rund zwei bis drei Wochen schlüpfen die Küken. Sie sind zunächst nackt, blind und hilflos. Die Mutter füttert ihren Nachwuchs mit einem nahrhaften, vorverdauten Brei aus Nektar und Insektenlarven. Nach etwa vier Wochen im Nest sind die jungen Kolibris flügge und selbstständig.
Der Kolibri ist verwandt mit:
- Eulenschwalm
- Fettschwalm
- Höhlenschwalm
- Nachtschwalbe
- Tagschläfer
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Ara
- Brillenbär
- Brüllaffe
- Faultier
- Nasenbär
- Tukan
- Pfeilgiftfrosch
Quellen:
- Reversal of the adipostat control of torpor during migration in hummingbirds (https://elifesciences.org)
- A heterothermic spectrum in hummingbirds (https://journals.biologists.com)
- Morphological and behavioural adaptations to feed on nectar: how feeding ecology determines the diversity and composition of hummingbird assemblages (https://link.springer.com)
- How Long Do Hummingbirds Live? The answer is longer than you'd expect (https://www.birdwatchingdaily.com)
- What is that smell? Hummingbirds avoid foraging on resources with defensive insect compounds (https://link.springer.com)
- Hummingbird ingestion of low-concentration ethanol within artificial nectar (https://royalsocietypublishing.org)
Video: 28 wissenswerte Fakten über Kolibris
- Aktualisiert am




























