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Kolibri

Foto: Eugalo/Shutterstock

Steckbrief Kolibri

Größe 5-25 cm
Geschwindigkeit Bis 48 km/h
Gewicht 1,6 bis 24 g
Lebensdauer 3-5 Jahre
Nahrung Nektar, Baumsäfte, Insekten, Spinnen
Feinde Vögel, Schlangen, Echsen
Verbreitung Amerika
Lebensraum Tropische Wälder, Bergwälder, Nadelwälder, Buschlandschaften
Ordnung Seglervögel
Familie Kolibris
Wissenschaftl. Name Trochilidae
Merkmale Mini-Vogel, langer, dünner Schnabel, kann rückwärts fliegen

Merkmale und Besonderheiten

Kolibris sind die kleinsten und zierlichsten Vögel der Welt – aber sie besitzen Fähigkeiten, die kein anderes Tier hat! Sie sind berühmt dafür, rückwärts zu fliegen. Sie können aber auch seitwärts nach links und rechts fliegen. Wie ein Hubschrauber.

Annakolibri Annakolibri - Foto: fluffandshutter/Shutterstock

Name

Auf Englisch heißt der Kolibri „Hummingbird“, weil sein schnelles Flügelschlagen ein brummendes Geräusch macht („humming“ heißt „summend“ oder „brummend“). Auf Deutsch wird er wegen seiner einzigartigen Flugkünste auch Schwirrvogel genannt. Ein weiterer Name ist Honigvogel, weil er eine Vorliebe für süßen Nektar hat.

Arten

Es gibt über 350 Arten von Kolibriarten. Zu den häufigsten zählen der Rubinkehlkolibri, der Rotrücken-Kolibri, der Annakolibri und die Breitschwanzelfe.

Violettdegenflügel Violettdegenflügel - Foto: vaclav/Shutterstock

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung

Kolibris leben ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent – man nennt sie deshalb auch Vögel der „Neuen Welt“. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Süden Alaskas über Nordamerika und Mittelamerika bis hinunter nach Feuerland in Südamerika. In Europa oder Afrika gibt es in freier Wildbahn keine Kolibris. Wenn du im heimischen Garten einen Kolibri siehst, ist es eigentlich ein Taubenschwänzchen – ein faszinierender Schmetterling, der den Schwebeflug der Kolibris perfekt nachahmt.

Lebensraum

Kolibris sind wahre Anpassungskünstler. Sie besiedeln völlig unterschiedliche Lebensräume: Dazu gehören die dichten tropischen Regenwälder, trockene Wüsten und Savannen sowie die kalten Bergregionen der Anden in über 4.000 Metern Höhe. Viele Arten haben sich zudem als Kulturfolger an den Menschen angepasst und leben in Gärten und Parks.

Lebensweise

Kolibris sind tagaktiv. Ihr Leben dreht sich fast ausschließlich um die Nahrungssuche. Weil sie sich so schnell bewegen, verbrauchen sie unfassbar viel Energie. Kolibris sind absolut keine Teamplayer. Sie sind leidenschaftliche Einzelgänger und verteidigen ihre Lieblingsblüten aggressiv gegen andere Kolibris.

Kolibri Körperbau und Aussehen Kolibri Körperbau und Aussehen - Foto: Melinda Fawver/Shutterstock

Körperbau und Aussehen

Größe und Gewicht

Kolibris werden etwa 5-25 cm groß und haben eine Flügelspannweite von 9-21,5 cm. Ihr Gewicht liegt zwischen 1,6 g und 24 g.

Das schimmernde Gefieder

Die meisten Kolibris besitzen ein metallisch schimmerndes Gefieder. Je nachdem, aus welchem Winkel das Licht auf die Federn fällt, ändert sich ihre Farbe. Dieser optische Effekt wird als Interferenz bezeichnet (= Überlagerung von Lichtwellen). Du kennst diesen bunten Regenbogen-Effekt von Seifenblasen oder Öltropfen, die sich auf einer nassen Straße ausbreiten.

Der Schnabel - kein Strohhalm

Lange Zeit dachte man, Kolibris würden ihren Schnabel wie einen Strohhalm benutzen und den Nektar heraufsaugen. Das stimmt jedoch nicht. Um zu trinken, öffnet der Vogel den Schnabel leicht und streckt seine extrem lange, an der Spitze gespaltene Zunge tief in den Blütenkelch hinein.

Schwertschnabelkolibri Schwertschnabelkolibri - Foto: Martin Mecnarowski/Shutterstock

Rekorde

Der kleinste Kolibri

Der kleinste Kolibri (und gleichzeitig der kleinste Vogel der Erde) ist die Bienenelfe. Von der Schnabelsitze bis zur Schwanzfeder misst sie gerade einmal 5-6 cm. Damit ist sie kaum größer als ein normaler USB-Stick oder eine Visitenkarte.

Der größte Kolibri

Das andere Extrem ist der Riesenkolibri, der im Westen Südamerikas lebt und eine stattliche Körperlänge von bis zu 25 cm erreicht.

Der Kolibri mit dem längsten Schnabel

Diesen Rekord hält der Schwertschnabelkolibri, der in den Anden von Venezuela bis Boliven lebt. Sein Schnabel wird über 10 cm lang. Er ist damit der einzige Vogel der Welt, dessen Schnabel länger ist als sein gesamter restlicher Körper!

Das kleinste Vogelei

Von allen Vögeln auf der Welt legt die Zwergelfe die kleinsten Eier. Im Jahr 1998 wurde vom Guinness Buch der Rekorde offiziell bestätigt, dass ein Weibchen zwei Eier legte, die weniger als 10 mm lang waren und winzige 0,365 g bzw. 0,375 g wogen.

Ich habe schon einmal einen Kolibri gesehen und habe natürlich versucht, ihn zu fotografieren. Keine Chance! Die Flügel bewegen sich so schnell, dass ich lauter unscharfe Fotos hatte ;)

Silke von tierchenwelt.de

Kolibris haben eine lane Zunge Kolibris haben eine lane Zunge - Foto: sljones/Shutterstock

Ernährung

Blütennektar und Insekten

Obwohl Kolibris als reine Pflanzenfresser gelten, sind sie biologisch gesehen Allesfresser. Sie ernähren sich fast ausschließlich von zuckerreichem Blütennektar und süßen Baumsäften, jagen aber auch ab und zu kleine Insekten, Blattläuse und Spinnen aus der Luft oder von Blättern. Diese tierische Kost ist lebenswichtig, um den Bedarf an Eiweiß (Proteinen) und Mineralstoffen zu decken – besonders während der Aufzucht der Jungvögel.

Warum brauchen sie so viel Nektar?

Kolibris verbringen einen Großteil ihres Lebens im Flug. Um im Schwebeflug an den Blüten zu trinken, schlagen sie extrem schnell mit ihren Flügeln. Das ist ganz schön anstrengend und verbraucht viel, viel Energie. Deshalb brauchen sie jede Menge Nektar, denn er enthält energiereichen Zucker.

Sie trinken das 5-fache ihres Gewichts

Um ihren riesigen Energiebedarf zu decken, trinken Kolibris jeden Tag etwa das Fünffache ihres eigenen Körpergewichts an flüssigem Nektar. Zu ihrem Glück haben sie extrem gut funktionierende Nieren. Wir Menschen würden bei dem Versuch, genauso viel zu trinken, sterben. Unsere Nieren könnten nicht so viel Flüssigkeit auf einmal verarbeiten.

Verhalten

Der Schwirrflug

Kolibris besitzen sehr bewegliche Flügelgelenke. Dadurch können sie ihre Flügel im Flug um 180 Grad drehen und sie in Forme einer liegenden Acht bewegen. Diese Flugtechnik, der sogenannte Schwirrflug, ermöglicht ihnen rückwärts, seitwärts und auf der Stelle zu fliegen. Diese „Technik“ finden wir sonst nur bei Insekten wie Bienen, Schwebfliegen, Libellen und Taubenschwänzchen.

Winterschlaf für eine Nacht

Wenn es nachts kalt wird, nutzen Kolibris einen genialen Überlebens-Trick: Sie senken ihre Körpertemperatur von normalen 40 °C auf bis zu 9 °C. Ihr Herz schlägt dann statt der üblichen 1.200-mal nur noch etwa 50-mal pro Minute. In dieser tiefen Energiespar-Starre (Torpor) verbrauchen sie kaum Energie und verhindern, dass sie in der kalten Nacht verhungern.

Schmuckelfe Schmuckelfe - Foto: Martin Mecnarowski/Shutterstock

Sinne und Fähigkeiten

Sehsinn

Kolibris haben einen ausgezeichneten Sehsinn. Sie können sogar ultraviolettes Licht (UV-Licht) wahrnehmen. Dadurch sehen sie Muster auf Blüten, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Sie lieben die Farben Rot und Orange – das signalisiert ihnen meistens: „Hier gibt es viel süßen Nektar!“

Geruchssinn

Im Gegensatz zu den meisten Vögeln besitzen Kolibris einen empfindlichen Geruchssinn. Er hilft ihnen, Nahrung zu finden und gefährliche Insekten zu meiden.

Kolibris trinken im Flug

Kolibris ernähren sich fast ausschließlich im Fliegen. Während sie scheinbar mühelos in der Luft schweben, trinken sie süßen Nektar aus den Blütenkelchen. Sie tunken ihre Zunge beim Trinken 15-20 Mal pro Sekunde (!) in Nektar. Die Zungenränder rollen sich dabei im Bruchteil einer Sekunde zusammen, fangen die Flüssigkeit ein und „pumpen“ den süßen Saft auf diese Weise nach oben.

Ein Kolibriweibchen brütet Eier in ihrem Nest aus Ein Kolibriweibchen brütet Eier in ihrem Nest aus - Foto: Switch Lab/Shutterstock

Lebenserwartung

In freier Wildbahn werden Kolibris 3-5 Jahre alt. Den Rekord hält eine Breitschwanzelfe. Sie wurde 1976 beringt und 1987 erneut gefangen. Sie wurde über 12 Jahre alt.

Feinde und Bedrohungen

Natürliche Feinde

Kolibris werden sie von größeren Vögeln (wie Falken), Schlangen und Echsen gejagt. Sogar große Insekten wie Libellen oder Gottesanbeterinnen können besonders kleinen Kolibris gefährlich werden. In der Nähe von Menschen sind zudem Hauskatzen eine große Bedrohung.

Der Mensch

Das größte Problem für die Tiere ist der Verlust ihres Lebensraums. Wenn Wälder abgeholzt werden, schwindet ihre Nahrung. Auch der Klimawandel sorgt dafür, dass Pflanzen zu anderen Zeiten blühen. Das bringt den Zeitplan der Kolibris auf ihren langen Wanderungen durcheinander.

Bedeutung für das Ökosystem

In ihrer Heimat sind Kolibris unersetzlich: Sie fliegen als unverzichtbare Bestäuber von Pflanze zu Pflanze. Da sie über 7.000 verschiedene Pflanzenarten besuchen, sichern sie das Überleben und die Fortpflanzung unzähliger seltener Blumen und Bäume im amerikanischen Ökosystem.

Nest eines Kolibris mit Eiern - zum Größenvergleich ein menschlicher Finger Nest eines Kolibris mit Eiern - zum Größenvergleich ein menschlicher Finger - Foto: Barbara Ash/Shutterstock

Fortpflanzung

Sturzflüge als Paarungsritual

Um die Aufmerksamkeit der Weibchen zu gewinnen, vollführen die Männchen zur Paarungszeit waghalsige Sturzflüge aus großen Höhen. Nach der erfolgreichen Paarung trennen sich die Wege der Partner aber wieder – das Männchen zieht weiter, während das Weibchen den Nestbau allein übernimmt.

Das dehnbare Nest

Das Weibchen baut ein winziges, perfekt getarntes Nest aus Moos, Flechten und weichen Pflanzenfasern. Der geniale Trick dabei: Sie verwebt alles mit Spinnenseide. Dadurch ist das Nest extrem dehnbar und flexibel. Wenn die Küken wachsen, dehnt sich das Nest einfach aus, anstatt zu zerreißen.

Die Aufzucht

Nach einer Brutzeit von rund zwei bis drei Wochen schlüpfen die Küken. Sie sind zunächst nackt, blind und hilflos. Die Mutter füttert ihren Nachwuchs mit einem nahrhaften, vorverdauten Brei aus Nektar und Insektenlarven. Nach etwa vier Wochen im Nest sind die jungen Kolibris flügge und selbstständig.


Der Kolibri ist verwandt mit:

  • Eulenschwalm
  • Fettschwalm
  • Höhlenschwalm
  • Nachtschwalbe
  • Tagschläfer

Weitere Tiere im Lebensraum:


Quellen:

Video: 28 wissenswerte Fakten über Kolibris

  • Aktualisiert am

Alle Kolibris und Segler im Überblick


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