Papageientaucher
Steckbrief Papageientaucher
| Größe | 20-28 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 80 km/h (Kurzstrecke) |
| Gewicht | 320-480 g |
| Lebensdauer | 20-30 Jahre |
| Nahrung | Sandaale, Heringe, Sprotten |
| Feinde | Möwen, Falken, Adler, Füchse, Hauskatzen, Haushunde |
| Verbreitung | Nördlicher Atlantik, westliches Nordpolarmeer |
| Lebensraum | Küste, offene See |
| Ordnung | Regenpfeiferartige |
| Familie | Alkenvögel |
| Wissenschaftl. Name | Fratercula arctica |
| Merkmale | Pinguin-ähnlicher Vogel mit buntem Schnabel |
Merkmale und Besonderheiten
Papageientaucher (auch Papageitaucher) sind Vögel, die den Pinguinen sehr ähnlich sehen. Sie sind jedoch nicht näher mit ihnen verwandt. Außerdem unterscheiden sie sich von ihnen durch ihren bunten Schnabel, in dem sie sehr viele Fische auf einmal halten können. Die meiste Zeit leben sie auf offener See in kälteren Regionen wie Nordamerika, Grönland und Island. Nur zum Brüten suchen sie steile Klippen an felsigen Küsten. Dort graben sie Höhlen in den Boden. Der Papageientaucher wird auch „Puffin“ genannt.
Art
Papageientaucher gehören zur Familie der „Lunde“ und haben zwei ganze enge Verwandte: den Hornlund und den Gelbschopflund.
Name
Papageientaucher könnte man durchaus für eine seltene Pinguinart halten, weil sie ebenfalls ein schwarz-weißes Gefieder haben und ebenso aufrecht umherlaufen wie die „Frackträger“. Doch ihr bunter Schnabel lässt sie wiederum aussehen wie ein Papagei. Deshalb gab man ihnen auch den Spitznamen „Seepapagei“.
Rekord
Von allen Vögeln kann der Papageientaucher die höchste Anzahl von Fischen im Schnabel festhalten: Es sind bis zu 62 Stück! Meistens sind es aber nur 10-20.
Verbreitung und Lebensraum
Papageientaucher leben an Küsten im Nordatlantik. Über 60 % brüten in Island – der perfekte Ort, um sie zu beobachten! Auch in Spitzbergen, Norwegen, Dänemark und Großbritannien gibt es viele Brutpaare. Große Kolonien findet man auch an den Küsten von Grönland und Kanada – vor allem in Neufundland und Labrador.
Lebensweise
Papageientaucher sind tagaktiv. Sie sind sehr gesellig und bilden große Kolonien mit bis zu 2 Millionen Tieren. Sie sind entweder auf dem offenen Meer, um nach Fischen zu jagen oder an der Küste, um sich auszuruhen und zu brüten.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Papageientaucher sind etwa so groß wie eine Ente oder eine Stadttaube. Ihre Körperlänge beträgt 28-30 cm und ihre Flügelspannweite 50-60 cm. Sie wiegen etwa 320-480 g.
Schnabel
Farben
Papageientaucher sind für ihren auffälligen Schnabel berühmt. Er leuchtet in kräftigen Farben: An der Spitze ist er rot, am Schnabelansatz gelb und dazwischen orange und grau. Interessanterweise ist er aber nicht immer so bunt. Im Winter verändert er seine Farbe: dann ist er graubraun. Dasselbe gilt auch für die Füße. Im Winter sind sie blassgelb und während der Brutzeit sind sie knallig orange.
Größe und Form
Der Schnabel des Papageientauchers ist sehr groß und dreieckig, aber von der Seite betrachtet überraschend schmal. Im oberen Schnabel befinden sich zahllose kleine hakenförmige Dornen, die dabei helfen, Fische festzuhalten.
Ernährung
Papageientaucher sind Fleischfresser, genauer gesagt Fischfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen wie Sandaale, Heringen und Sprotten. Da ihre Beute auf offenem Meer lebt, müssen sie weit fliegen – was viel Energie kostet. Sie jagen daher nicht nur einen Fisch, sondern sammeln in ihrem Schnabel so viele Fische wie möglich, bevor sie zurückfliegen – bis zu 62 Stück!
Verhalten
Sozialverhalten
Papageientaucher sind sehr gesellige Vögel. Eine einzelne Kolonie kann aus bis zu 2 Millionen Tiere bestehen. Sie bilden nicht nur an Land, sondern auch im Wasser große Gruppen. Sie fliegen gemeinsam in ihre Jagdgebiete und bilden sogenannte „Flöße“, wenn sie sich gemeinsam auf dem Wasser auszuruhen. In der Gemeinschaft haben sie größere Chancen, zu überleben.
Der selbstzerstörerischste Vogel
Der Papageientaucher hat auf der Insel Grassholm (Großbritannien) seinen eigenen Lebensraum zerstört. Im Jahr 1890 gab es dort 250.000 Brutpaare – was für die Insel sehr viel ist, denn sie ist nur 500 m breit und 310 m lang. Heute gibt es dort keine Papageientaucher mehr. Der Grund ist: Sie graben Höhlen, wodurch die Erde von Wind und Regen irgendwann komplett weggetragen wurde. Pech für den Papageientaucher, aber Glück für ander Vögel. Heute nistet auf Grassholm die dritt-größte Kolonie Blaufußtölpel mit 35.000 Brutpaaren.
Fähigkeiten und Sinne
62 Fische im Schnabel
Der Papageientaucher nimmt den Mund gerne mal zu voll, und zwar wortwörtlich. Selbst wenn er schon mehrere Fische in seinem großen, dreieckigen Schnabel hält, schafft er es trotzdem noch weitere zu erbeuten. Sein Trick: Er drückt die Fische mit der Zunge gegen gekrümmte Dornen im oberen Schnabel. Die Dornen halten die Fische fest, als würden sie an kleinen Angelhaken sitzen. Der Rekord für die meisten Fische im Schnabel liegt 62 Stück.
Tauchen
Papageientaucher können 60-70 m tief tauchen. Sie schrauben sich regelrecht nach unten in die Tiefe, indem sie ihre kleinen Flügel wie Propeller oder eine Schiffsschraube einsetzen. Die Schwimmhäute zwischen den Zehen machen aus ihren Füßen zudem gute Steuerpaddel. Normalerweise dauert ein Tauchgang nur 20 Sekunden, sie können aber bis zu zwei Minuten unter Wasser bleiben.
Werkzeuggebrauch
Der Papageientaucher ist der erste Seevogel, der dabei beobachtet wurde „Werkzeug“ zu verwenden. Er schnappt sich mit seinem Schnabel kleine Holzstöckchen, um sich den Rücken zu kratzen und Parasiten loszuwerden. Nur wenige Tiere sind dazu in der Lage, weil dazu sehr viel Intelligenz nötig ist.
Geschwindigkeit
Papageientaucher sehen zwar wie Pinguine aus, aber sie können sehr gut fliegen – und auch noch ziemlich schnell! Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h und schlagen 300-400 Mal in der Minute mit den Flügeln. Wie oft kannst du mit deinen Armen die Bewegung in einer Minute nachahmen? Probiere es aus!
Lebenserwartung
Papageientaucher können bis zu 20-30 Jahre alt werden.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Auf offener See sind die größten Feinde Raubmöwen und andere große Möwen. An der Küste erbeuten Möwen, Falken, Adler, Füchse, Ratten, Hauskatzen und Haushunde die Eier und Küken.
Der Mensch
Die größte Bedrohung für Papageientaucher geht von menschlichen Aktivitäten aus. Zu schaffen machen ihnen vor allem die Bebauung der Küsten, der Tourismus, Ölverschmutzungen, eingeschleppte Raubtiere (Haushund und Hauskatzen) und Nahrungsknappheit durch Fischerei.
Gefährdungsstatus
Laut einer Schätzung der IUCN vom Jahr 2018 gibt es 12-14 Millionen erwachsene Tiere. Dennoch gilt der Papageientaucher als bedrohte Tierart - weil die Anzahl der Tiere schnell abnimmt. In Europa wird sie bis zum Jahr 2065 vermutlich um 50-79 % abnehmen. Da in Europa 10-12 Millionen leben, werden es dann möglicherweise nur noch 2-3 Millionen sein.
Fortpflanzung
Brutzeit
Papageientaucher balzen ab Anfang April und brüten zwischen Mitte April und Mitte/Ende August. Wenn sich ein Pärchen einmal gefunden hat, bleibt es meistens sein Leben lang zusammen.
Bruthöhle
Nach der Paarung suchen Papageientaucher grasbewachsene Klippen mit weicher Erde. Mit ihrem Schnabel graben sie eine Höhle in die Erde, die bis zu 75-150 cm lang ist – lang genug, um sie vor Raubtieren zu schützen. Sie wird mit Federn, Blättern und Seetang ausgekleidet.
Eiablage, Brut und Aufzucht
In die Höhle wird nur ein einziges weißes Ei gelegt. Die Eltern brüten abwechselnd, bis das Küken nach etwa 39-45 Tagen aus dem Ei schlüpft. Das Küken ist nach etwa zwei Monaten selbstständig und verlässt dann das Nest. Die Höhle wird Jahr für Jahr wieder benutzt.
Fun Facts
Offizieller Vogel von Neufundland und Labrador
Der Papageientaucher ist der offizielle Vogel der kanadischen Provinzen Neufundland und Labrador. Von dort kommen übrigens auch die beliebten, gleichnamigen Hunderassen.
Der Papageientaucher ist verwandt mit:
- Hornlund
- Gelbschopflund
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Buckelwal
- Dreizehenmöwe
- Eissturmvogel
- Hering
- Kegelrobbe
- Kormoran
- Orca
- Ratte
- Raubmöwe
- Sandaal
- Schweinswal
- Seehund
- Sprotte
Quellen:
- „Assessment of methods used to investigate the impact of offshore wind farms on seabirds“ (https://www.abdn.ac.uk)
- „Puffin“ (https://www.rspb.org.uk)
- „Atlantic Puffin“ (https://www.allaboutbirds.org)
- „Puffin FAQs“ (https://hogisland.audubon.org)
- „First known tool-using seabird“ (https://www.guinnessworldrecords.com)
- „Evidence of tool use in a seabird“ (https://www.pnas.org)
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