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Giftige Säugetiere: Gibt es sie wirklich?

Plumplori - Foto: : kunanon/Shutterstock

Schlangen, Skorpione, Quallen und Spinne – wenn wir an Gift im Tierreich denken, fallen uns meistens Reptilien, Insekten oder Meerestiere ein. Aber gibt es eigentlich auch giftige Säugetiere?

Die kurze Antwort lautet: Ja, es gibt sie! Allerdings bilden sie eine extrem seltene Ausnahme. Während tausende Kriechtiere und Insekten Gifte nutzen, kennen Wissenschaftler heute nur eine Handvoll Säugetierarten, die Gift produzieren oder zur Abwehr einsetzen.

Hier erfährst du, welche Tiere das sind, wie ihre Gifte wirken und ob sie für uns Menschen gefährlich werden können.

Die 5 giftigen Säugetiere im Überblick

TierartGruppeWo leben sie?Wie übertragen sie Gift?
Plumplori Primat Südostasien Übertragung durch Biss
Schnabeltier Kloakentier Australien, Tasmanien Übertragung durch Giftsporn
Kurzschwanzspitzmaus Insektenfresser Nordamerika Übertragung durch Speichel
Wasserspitzmaus Insektenfresser Europa, Asien Übertragung durch Speichel
Schlitzrüssler Insektenfresser Kuba, Hispaniola Übertragung durch Schneidezähne

Giftig oder toxisch: Wo liegt der Unterschied?

In der Biologie unterscheidet man sehr genau, wie ein Tier sein Gift einsetzt:

  • Giftig (aktiv/venomous: Das Tier stellt ein Gift her und spritzt oder beißt es aktiv in seinen Gegner oder seine Beute hinein. Beispiele dafür sind das Schnabeltier oder Spitzmäuse.
  • Toxisch (passiv/poisonous): Das Tier gibt ein Gift über seine Haut ab oder lagert es im Gewebe ein. Wer das Tier anfasst oder frisst, vergiftet sich. Der Plumplori nutzt eine Mischung aus beidem!

Wie stellen Säugetiere ihr Gift her?

Die Natur hat bei den wenigen giftigen Säugern ganz unterschiedliche Lösungen entwickelt:

  • Der Plumplori (Lori): Er besitzt eine Drüse an der Innenseite seiner Ellenbogen. Er leckt dieses Sekret ab und vermischt es in seinem Maul mit Speichel. Wenn er zubeißt, dringt das Gift tief in die Wunde ein.
  • Das Schnabeltier: Männliche Schnabeltiere besitzen an den Hinterbeinen spitze Hornsporen. Diese Sporen sind mit einer Giftdrüse im Oberschenkel verbunden.
  • Spitzmäuse & Schlitzrüssler: Sie produzieren ihr Gift direkt in den Speicheldrüsen unter der Zunge. Über Rillen in ihren Zähnen fließt der giftige Speichel beim Beißen direkt in die Beute.

Die giftigen Arten im Detail

1. Der Plumplori: Der einzige giftige Affe der Welt

Plumploris sind kleine, nachtaktive Feuchtnasenaffen mit riesigen Kugelaugen. Sie leben in den Baumkronen der tropischen Regenwälder Südostasiens. Auf der Innenseite ihrer Ellenbogen befinden sich Giftdrüsen. Sie verteilen mit ihren Fingern das Gift im Mund bzw. auf den unteren Vorderzähnen. Dadurch ist ihr Biss giftig.

  • Wozu dient das Gift? So gruselig es im ersten Moment klingt: Sie schmieren ihre Babys damit ein, indem sie sie ablecken. Der bitter-giftige Geschmack schreckt Raubtiere wie Katzen oder Schlangen ab. Zudem nutzen Plumploris ihren giftigen Biss bei Kämpfen gegen Artgenossen.
  • Gefahr für Menschen: Hui, also ihren „Giftzähnen“ will man definitiv nicht zu Nahe kommen! Ein Biss verursacht zuerst einmal unheimliche Schmerzen. Aber schlimmer ist das Gift, dass über die offene Wunde übertragen wird. Menschen, die darauf allergisch sind (wie z. B. manche auf Bienengift allergisch reagieren), können sogar einen Schock bekommen und tatsächlich daran sterben.

Plumplori Plumplori - Foto: Conservationist/Shutterstock

Tierschutz-Hinweis: Das Leid der „Selfie-Tiere“

Viele Urlauber möchten gerne einen Plumplori streicheln und - viel wichtiger noch - ein Foto von sich mit dem Tier machen, also ein Selfie. Damit beim Streicheln nichts passiert, werden die Tiere mit Medikamenten ruhig gestellt. Ihnen werden sogar die Zähne gezogen oder zumindest abgeknipst, damit diese stumpf sind. Die Wunden entzünden sich häufig und die Tiere sterben nicht selten daran. Bitte mache im Urlaub niemals Fotos mit gefangenen Wildtieren!

Der Plumplori ist nicht das einzige „Selfie-Tier“

Dem Quokka, einem Kurzschwanzkänguru, geht es nicht anders.

Plumplori Plumplori - Foto: Saranga/Shutterstock

2. Das Schnabeltier: Giftsporen an den Hinterbeinen

Das australische Schnabeltier legt Eier, säugt seine Jungen mit Milch und sieht aus wie eine Mischung aus Ente, Biber und Otter. Männliche Schnabeltiere tragen an ihren Hinterbeinen scharfe Giftsporen.

  • Wozu dient das Gift? Die Männchen produzieren das Gift fast nur während der Paarungszeit. Sie nutzen die Sporen nicht zum Jagen, sondern um Rivalen im Kampf um die Weibchen zu vertreiben.
  • Gefahr für Menschen: Tödlich ist das Gift für Menschen nicht. Aber es löst extrem starke Schmerzen aus, die selbst mit normalen Schmerzmitteln kaum zu lindern sind und wochenlang anhalten können. Für kleinere Tiere wie Hunde kann der Kontakt mit dem Giftsporn dagegen tödlich enden.

Schon gewusst?

Das Schnabeltier ist nicht das einzige Kloakentier, hier erfährst du mehr über den australischen Ameisenigel!

Schnabeltier Schnabeltier - Foto: John CarnemollaShutterstock

3. Kurzschwanzspitzmaus & Wasserspitzmaus: Giftige Vorratsjäger

Spitzmäuse sehen zwar aus wie kleine Mäuse, sind aber mit Maulwürfen verwandt. Die Nordamerikanische Kurzschwanzspitzmaus und unsere heimische Europäische Wasserspitzmaus nutzen giftigen Speichel.

  • Wozu dient das Gift? Da Spitzmäuse einen extrem schnellen Stoffwechsel haben, müssen sie Tag und Nacht fressen. Ihr Gift lähmt Beutetiere wie Mäuse, Frösche oder Krebse, ohne sie sofort zu töten. Die Spitzmaus bringt die gelähmten Tiere in ihren Bau und legt sich so einen frischen Vorrat an.
  • Gefahr für Menschen: Für Menschen ist das Gift ungefährlich. Der Biss tut allerdings weh und die Stelle schwillt für ein paar Tage deutlich an. Zum Glück kommt es sehr selten dazu.

Nördliche Kurzschwanzspitzmaus Nördliche Kurzschwanzspitzmaus - Foto: Steven Byland/Shutterstock

Über die Kurzschwanzspitzmaus

Die Tiere stinken unheimlich, was besonders unangenehm ist, wenn sie sich im Haus niedergelassen haben. Füchse, Waschbären und Katzen machen zwar Jagd auf die Tiere, fressen sie dann aber nicht - wegen dem Geruch.

Über die Wasserspitzmaus

  • Schädlingsbekämpfer: Wer eine Wasserspitzmaus erblickt, darf sich ganz besonders freuen. Die Tiere fressen eine Unmenge an Insekten und deren Larven - genau, die die wir Menschen nicht mögen. Obwohl Wasserspitzmäuse als nicht gefährdet gelten, stehen sie in Deutschland unter Naturschutz.
  • Wie trocknen Wasserspitzmäuse ihr Fell? Sie hat eine lustige und ungewöhnliche Lösung dafür gefunden. Sie zwängt sich ein paar Mal durch den engen Eingang zu ihrem Bau, wodurch das Wasser aus dem Fell gewrungen wird und von den Tunnelwänden (die aus trockener Erde bestehen) aufgesaugt wird.

Warum giftige Tiere wichtig sind

Bei Tieren, die „hässlich“ aussehen, giftig sind und stinken, fragt sich sicher der ein oder andere, ob und welchen Zweck sie für den Planeten Erde haben. Man traut es den kleinen felligen Insektenfressern nicht zu, aber sie vertilgen Insekten wie Scheunendrescher und sorgen deshalb dafür, dass es keine Insektenplage gibt und das Gleichgewicht in der Natur bestehen bleibt.

Wasserspitzmaus Wasserspitzmaus - Foto: CreativeNature.nl/Shutterstock

4. Der Schlitzrüssler: Ein Überlebender aus der Urzeit

Schlitzrüssler leben nur auf den Karibikinseln Kuba und Haiti. Sie besitzen eine lange, bewegliche Schnauze, schuppige Schwänze und gelten als lebende Fossilien, da sie sich seit Millionen von Jahren kaum verändert haben.

  • Wozu dient das Gift? Über Rillen in den unteren Schneidezähnen fließt giftiger Speichel in die Wunden von Insekten, Würmern und kleinen Eidechsen. Das Gift lähmt die Opfer innerhalb weniger Minuten.
  • Gefahr für Menschen: Da Schlitzrüssler extrem selten, nachtaktiv und scheu sind, kommt es so gut wie nie zu Kontakten. Für Menschen ist ihr Biss nicht lebensgefährlich.

Schlitzrüssler Schlitzrüssler - Foto: Katerina Kalinich/Shutterstock

Warum gibt es so wenige giftige Säugetiere?

Gift ist nicht so effektiv

In der Evolution haben sich Säugetiere anders entwickelt als Reptilien oder Insekten. Säugetiere haben starke Kiefer, scharfe Zähne, Krallen und vor allem ein hoch entwickeltes Gehirn. Sie jagen durch Schnelligkeit, Ausdauer oder im Rudel.

Gift kostet viel Kraft

Gift herzustellen kostet den Körper sehr viel Energie. Für die meisten Säugetiere war es in der Erdgeschichte schlicht einfacher und sparsamer, Beute mit Muskelkraft und Zähnen zu überwältigen, als auf aufwendige Giftdrüsen zu setzen.

Früher waren es mehr

Wissenschaftler glauben dennoch, dass es früher mehr giftige Säugetiere gab. Sie fanden in Nordamerika zum Beispiel einen kleinen Säuger namens Bisonalveus browni, der Giftzähne besessen haben soll. Er ähnelt einem Maulwurf und seine Zähne hatten Einkerbungen, die darauf hindeuten, dass Gift durch sie lief. Andererseits haben auch viele ungiftige Tiere (Affen, Fledermäuse) diese Einkerbungen. Daher ist diese Info nicht gesichert.


Quellen:


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