Albinos: Warum gibt es weiße Tiere im Tierreich?
Albinos - Foto: red-feniks/Shutterstock
Hast du schon einmal ein komplett weißes Eichhörnchen oder einen schneeweißen Löwen gesehen? Solche Begegnungen wirken fast magisch. Doch nicht jedes weiße Tier ist automatisch ein echter Albino. Hinter den schneeweißen Erscheinungen stecken verschiedene genetische Phänomene: Albinismus, Leuzismus und Amelanismus. In diesem Artikel erfährst du leicht verständlich, wie diese Pigmentstörungen entstehen, warum Albinos rote Augen haben und welche Überlebenschancen sie in der Wildnis haben.
1. Was ist Albinismus? Eine einfache Erklärung
Keine Krankheit
Albinismus ist keine ansteckende Krankheit, sondern eine angeborene Genmutation. Sie wird rezessiv vererbt – das bedeutet, dass beide Elternteile das veränderte Gen in sich tragen müssen, damit der Nachwuchs als Albino geboren wird. Das kommt bei Menschen, Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen vor.
Sondern eine Pigmentstörung
Bei Albinismus gibt es eine Störung im Körper bei der Bildung von bestimmten Farbstoffen. Diese natürlichen Farbstoffe heißen Melanine (Pigmente). Die Melanine sind dafür da, Haut, Haaren, Federn, Schuppen und Augen ihre Farbe (braun, schwarz, rot) zu geben. Da diese Farbstoffe fehlen, sind Albinos weiß oder sehr hell.
2. Warum haben Albinos rote Augen?
Das auffälligste Merkmal von echten Albinos sind die roten Augen. Auch in der Regenbogenhaut (Iris) des Auges fehlen die Farbpigmente komplett. Die Augen sind aber nicht wirklich rot gefärbt. Sie wirken nur rot, weil die Iris durchsichtig ist. Dadurch schimmert das Blut aus den feinen, dahinterliegenden Adern durch. Das Auge wirkt rot – ähnlich wie der Rote-Augen-Effekt auf alten Blitzlicht-Fotos.
3. Welche Nachteile haben Albinos in der Wildnis?
In der freien Natur haben es Albino-Tiere sehr schwer. Sie haben fast nur Nachteile:
- Fehlende Tarnung: Tiere, die normalerweise durch braunes oder dunkles Fell gut geschützt sind, leuchten in Weiß. Raubtiere (Beutegreifer) sehen sie sofort. Umgekehrt werden weiße Raubtiere von ihrer Beute zu früh entdeckt und hungern oft.
- Eingeschränktes Sehvermögen: Weil Pigmente im Auge fehlen, sind Albinos extrem lichtempfindlich. Ihre Sehschärfe ist stark vermindert. Sie können Gefahren schlechter sehen.
- Krankheiten: Albinos bekommen sehr schnell einen Sonnenbrand. Sie sind außerdem anfällig für Hautkrebs.
- Soziale Probleme: Artgenossen schließen Albinos wegen ihres fremden Aussehens oft aus der Gruppe aus. Auch bei der Partnersuche haben sie selten Glück.
Beispiele für echte Albino-Tiere:
Albino-Eichhörnchen
Weiße Eichhörnchen werden oft für Albinos gehalten. Aber Achtung: Achte genau auf die Augen! Nur wenn das Eichhörnchen rote Augen hat, ist es ein echter Albino. Hat es schwarze Augen, handelt es sich um eine andere Gen-Veränderung (Leuzismus).
Albino-Igel
Sogar die Stacheln eines Albino-Igels sind komplett weiß. Stacheln bestehen übrigens aus Keratin – das ist das gleiche Material wie unsere Haare und Fingernägel.
Albino-Wallaby
Das Wallaby ist eine kleine Känguru-Art aus Australien. Albino-Wallabys sind wunderschön, aber in der Natur extrem selten, weil sie ohne Tarnung kaum überleben können.
Albino-Alligator
Ein weißer Alligator im grünen Sumpf? In der Wildnis hätte er keine Chance zu jagen. Bei Albino-Alligatoren kann man besonders gut beobachten, wie das Blut durch die hellen Augen schimmert.
4. Was ist Leuzismus? Die „unechten Albinos“
Nicht jedes weiße Tier ist ein Albino. Oft spricht man im Alltag von „Halbalbinos“ oder „unechten Albinos“. Der biologische Fachbegriff dafür heißt Leuzismus.
Der Unterschied zum Albinismus:
- Albinismus: Die Zellen für die Farbstoffe (Melanozyten) sind da, aber sie sind defekt und arbeiten nicht. Die Augen sind rot.
- Leuzismus: Es gibt einen Gen-Defekt, wodurch die Haut überhaupt keine farbstoffbildenden Zellen besitzt. Die Augen sind davon aber nicht betroffen. Tiere mit Leuzismus haben meist blaue oder schwarze Augen.
Beispiele für Leuzismus:
Weißer Tiger mit Leuzismus
Er besitzt strahlend blaue Augen und oft noch blasse, braune Streifen.
Weiße Löwen mit Leuzismus
Sie sind keine Albinos, denn sie haben dunkle Nasen und blaue bis goldene Augen.
Axolotl mit Leuzismus
In der Aquaristik sehr beliebt als blassrosa Variante mit dunklen Knopfaugen.
5. Amelanismus und Xanthismus: Wenn nur einzelne Farben fehlen
Ein Zebra mit orangefarbenen Streifen und blauen Augen? Das ist kein Albino! Hier liegt Amelanismus vor. Bei dieser Gen-Veränderung fehlen die dunklen Farbpigmente (Melanine) nicht komplett, sondern nur teilweise. Dadurch entstehen ungewöhnliche Muster und Farben, die bei einem echten Albino unmöglich wären.
Wie entsteht Amelanismus?
Reptilien, Vögel und Amphibien haben verschiedene Arten von Farbzellen im Körper. Beim Amelanismus blockiert ein Fehler im Erbgut nur die Bildung von schwarzen und braunen Farbstoffen (Melanin). Alle anderen Farbzellen für Gelb, Rot oder Glanz arbeiten ganz normal weiter. Deshalb sind diese Tiere nicht reinweiß, sondern behalten oft bunte Muster.
Beliebt als Haustier: Kornnatter mit Amelanismus
Ein bekanntes Beispiel ist die Kornnatter. In der Natur ist diese Schlange unauffällig graubraun gefärbt. Für die Haltung im Terrarium wurden jedoch Tiere mit Amelanismus gezüchtet. Diese Schlangen haben keine dunklen Flecken mehr. Sie leuchten stattdessen kräftig rot und orange, und ihre Augen sind hellrot oder rosa.
Der Unterschied zum echten Albinismus
In der Wissenschaft ist die Unterscheidung wichtig. Albinismus bedeutet, dass einem Säugetier (wie einem Reh oder Eichhörnchen) alle Farbstoffe fehlen – es wird komplett weiß. Amelanismus betrifft dagegen meistens Vögel oder Reptilien. Da sie noch andere Farbzellen besitzen, fehlt ihnen zwar die schwarze Farbe, sie können aber trotzdem leuchtend gelbe oder rote Federn und Schuppen haben.
Was ist Xanthismus?
Xanthismus ist eine besondere Form der Pigmentstörung. Das Wort leitet sich vom griechischen Wort xanthos für „gelb“ ab.
Beim Xanthismus fehlen die dunklen Farbstoffe, aber die gelben und roten Pigmente bleiben im Körper erhalten. Braune oder schwarze Tiere färben sich dadurch knallgelb, orange oder rot. Hinweis: Xanthismus gibt es ausschließlich bei Fischen, Amphibien, Reptilien und Vögeln.
Beispiele für Xanthismus:
Schmuck-Hornfrosch mit Xanthismus
Er leuchtet intensiv gelb.
Tigerpython mit Xanthismus
Diese Riesenschlange wird durch Xanthismus leuchtend gelb-weiß gemustert.
Albino oder nicht? Das Cremello-Pferd
Ist ein weißes Pferd mit weißer Mähne und blauen Augen ein Albino? Nein. In der Pferdezucht gibt es keine echten Albinos (echte Albino-Fohlen sind nicht lebensfähig). Diese spezielle Pferderasse heißt Cremello. Die helle Farbe entsteht durch ein sogenanntes "Cream-Gen" (Aufhellungs-Gen), das die Fuchsfarbe des Pferdes stark aufhellt. Es ist eine gezielte Züchtung und keine Krankheit.
Quellen:
- Visual and Auditory Anomalies Associated with Albinism (https://www.ncbi.nlm.nih.gov)
- Molecular basis of albinism: mutations and polymorphisms of pigmentation genes associated with albinism (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- Partial albinism in a semi-isolated population of great reed warblers (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
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