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Erst Muckis, dann Köpfchen: Warum erst unsere Körper und dann unser Gehirn wuchs – und über das Ziel hinausschoss

  • Die „Brain-Lag-Hypothese“ besagt, dass in der zeitgeschichtlichen Entwicklung zuerst Körper wachsen und dann das Gehirn.
  • Lange Zeit galt das als strittig, wurde aber jetzt belegt.
  • Beim Menschen wuchs das Gehirn allerdings weit über das im Verhältnis zum Körper erwartete Maß hinaus.

Nachdenklicher Schimpanse Nachdenklicher Schimpanse - Foto: Baehaki/stock.adobe.com

Warum wuchsen erst die Körper und dann die Gehirne?

In der Evolutionsbiologie gab es lange Streit um eine spannende Frage: Wachsen Körper und Gehirne immer gleichmäßig? Die Antwort lautet überraschenderweise: Nein. Wenn sich eine neue Primaten-Art entwickelte, legte sie oft zuerst an Muskelmasse und Körpergröße zu. Das Gehirn brauchte länger, um sich an die größeren Körper anzupassen und zog erst Jahrtausende später nach, bis das Verhältnis von Körper zu Gehirn wieder stimmte. Diese Verzögerung bezeichnen Forschende als „Evolutionary Lag“ oder „Brain Lag“ („Entwicklungsverzögerung“ oder „Gehirnverzögerung“). Lange Zeit dachte man, diese Annahme sei falsch, doch neue Berechnungen zeigen nun das Gegenteil.

Wie das menschliche Gehirn über das Ziel hinausschoss

Das Besondere passierte jedoch nach der Aufholjagd. Beim Menschen (Homo) machte die Entwicklung nicht halt, als Körpergröße und Gehirngröße gleich groß waren. Das Gehirn wuchs einfach weiter. Es überschritt die biologische „Norm“ für das Verhältnis von Körper und Denkorgan deutlich. Dieses Phänomen nennen Wissenschaftler „Overshoot“ (Überschießen). Das könnte erklären, warum der Mensch heute über herausragende kognitive Fähigkeiten verfügt und zu komplexem Denken fähig ist.

Welche Rolle spielten Früchte und soziale Gruppen?

Ein riesiges Denkorgan verbraucht extrem viel Energie. Um diesen gesteigerten Bedarf zu decken, mussten unsere Vorfahren ihre Ernährung umstellen und vermehrt energiereiche Früchte essen. Doch das ist noch nicht alles: Die Studie bestätigt, dass das Gehirnwachstum eng mit der Entstehung größerer sozialer Gruppen verknüpft ist. Um in großen Gemeinschaften zu überleben und das Zusammenleben zu organisieren, war soziale Intelligenz gefragt. Das Gehirn wurde quasi zum biologischen Supercomputer, der durch das Zusammenleben befeuert wurde.

Über die Studie

Die Studie der Universität Oxford (Großbritannien) wurde im Juli 2026 im Fachjournal PLOS One veröffentlicht.


Quelle:


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