Aliens der Ozeane: 6 gruselige Tiefsee-Tiere, die wirklich existieren
Tiere in der Tiefsee zu erforschen, ist wie Aliens „Guten Tag“ zu sagen. Ab etwa 200 Metern Tiefe verschwindet das Sonnenlicht, ab 1.000 Metern herrscht vollkommene Finsternis. Die Lebewesen dort wirken oft wie aus einem Science-Fiction-Film: Einige besitzen durchsichtige Köpfe, andere riesige Zähne – und viele leuchten mitten in der eisigen Finsternis.
Die Tiefsee-Skala auf einen Blick
| Tiefe | Bedingungen | Tiere |
|---|---|---|
| 200 m | Die Dämmerzone beginnt | Schwarmfische, Krebse |
| 1.000 m | Absolutes Dunkel, eisige Kälte | Gespensterfisch, Anglerfisch |
| 3.000 m | Extrem hoher Wasserdruck | Viperfisch, Bartendrachenfisch |
| 8.300 m | Rekordtiefe für Fische | Schneckenfisch |
1. Welcher Fisch lebt am tiefsten?
Der Schneckenfisch und das Bartmännchen
Lange Zeit galt das Bartmännchen (Abyssobrotula galatheae) als Rekordhalter, nachdem man es in 8.370 Metern Tiefe im Puerto-Rico-Graben entdeckte. Inzwischen haben Forscher jedoch in 8.336 Metern Tiefe im Izu-Ogasawara-Graben vor Japan eine lebende Schneckenfisch-Art (Pseudoliparis) gefilmt.
Ein extremer Druck - ein Vergleich: In 8.000 Metern Tiefe drückt das Wasser mit einem extremen Druck von rund 800 Bar auf den Körper der Tiere. Das fühlt sich an, als würde ein ausgewachsener Elefant auf deinem Daumennagel stehen!
Auch kleine Flohkrebse leben in diesen extremen Tiefen – einige wurden sogar am Grund des Marianengrabens in über 10.000 Metern Tiefe nachgewiesen. Das ist tiefer, als der Mount Everest hoch ist!
2. Der Fisch mit dem gläsernen Kopf
Der Gespensterfisch
Der Gespensterfisch (Macropinna microstoma) besitzt einen komplett durchsichtigen, mit Flüssigkeit gefüllten Kopf. Dadurch blickt er wie durch die Windschutzscheibe eines Autos direkt nach oben ins Dämmerlicht.
- Rotierende Augen: Lange dachte man, seine Augen seien starr nach oben gerichtet. Forscher des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) fanden jedoch heraus, dass der Fisch seine rohrförmigen, grünglänzenden Augen im Kopf drehen kann! So blickt er nach vorne, wenn er frisst, und nach oben, wenn er nach Beute sucht.
- Verwechslungsgefahr: Die zwei kleinen Ausbuchtungen vorne über dem Mund sind gar nicht seine Augen, sondern seine Geruchsorgane (Nasenlöcher).
3. Jagd mit eigener Leuchtreklame
In der Tiefsee wachsen keine Pflanzen. Zwar sinkt ab und zu „Meeresschnee“ – abgestorbene Pflanzenteile und biologische Reste – von oben herab, doch das reicht oft nicht aus. Die Tiere müssen aktiv Beute anlocken.
Wie leuchten Tiere unter Wasser? (Biolumineszenz)
Das Phänomen, wenn Lebewesen ihr eigenes Licht erzeugen, nennt man Biolumineszenz. Tiefseetiere nutzen dafür zwei verschiedene Methoden:
- Eigene Chemie: Sie stellen einen speziellen Leuchtstoff (Luciferin) selbst im Körper her und lassen ihn mit Sauerstoff reagieren.
- Untermieter im Körper: Sie halten Milliarden leuchtende Bakterien in kleinen Hautbeuteln, die rund um die Uhr für sie strahlen.
Der Bartendrachenfisch
Der Bartendrachenfisch trägt an seinem Unterkiefer einen langen Hautauswuchs (eine sogenannte „Bartel“). An deren Ende sitzt ein leuchtendes Organ. Der Fisch setzt es wie eine Unterwasser-Leuchtreklame ein: Neugierige Opfer schwimmen direkt auf das Licht zu – und landen im Mund des Räubers.
Der Laternenfisch
Laternenfische besitzen spezielle Beutel unter den Augen, in denen leuchtende Bakterien leben. Droht Gefahr durch einen Fressfeind, klappt der Fisch eine kleine Hautfalte wie eine Jalousie über das Auge, schirmt das Licht ab und wird augenblicklich unsichtbar.
4. Blinken in der Finsternis
Der Viperfisch
Eine Schlange unter Wasser? Der Viperfisch hat Zähne, die so lang und spitz sind, dass er seinen Mund gar nicht mehr komplett schließen kann. Er nutzt sie wie lange Dolche, um seine Beute zu erdolchen.
Über seinen gesamten Körper sind bis zu 1.500 winzige Leuchtorgane verteilt. Wenn er aufgeschreckt wird oder mit Artgenossen kommuniziert, kann sein ganzer Körper rhythmisch anfangen zu blinken. Der Viperfisch lebt in Tiefen von bis zu 3.000 m – das ist so tief, wie fast acht Eiffeltürme aufeinandergestapelt im Meer versinken würden!
5. Fischen in der Dunkelheit
Der Anglerfisch: Die kleinsten Ehemänner der Welt
Der Anglerfisch trägt seine eigene Angel direkt auf der Stirn: Ein umgewandelter Flossenstrahl, an dessen Spitze ein Organ voller Leuchtbakterien sitzt. Kleine Krebse und Fische halten das Licht für Nahrung, schwimmen heran – und der Anglerfisch muss nur noch den Mund aufreißen.
Bizarres Zwerg-Männchen: Was viele nicht wissen: Nur die Weibchen besitzen die Leuchtangel und die riesigen Zähne. Die Männchen sind winzig klein (oft nur ein Zehntel so groß) und können nach dem Heranwachsen nicht einmal selbst essen.
Ein Männchen sucht im Dunkeln verzweifelt nach einem Weibchen, verbeißt sich in ihrem Bauch und wächst mit der Zeit komplett mit ihrem Körper zusammen. Ihre Haut und ihre Blutkreisläufe verschmelzen, bis das Männchen dauerhaft als körpereigenes Organ zur Fortpflanzung dient.
6. Riesige Leucht-Glühbirnen
Die Seescheide (Feuerwalze)
Es gibt nicht nur Fische, die leuchten. Manteltiere wie die frei schwebenden Feuerwalzen (eine Kolonie winziger Seescheiden) erzeugen ein extrem helles, bläuliches Licht. Sie leuchten nicht, um ihre Umgebung auszuleuchten, sondern um sich bei Berührung zu verteidigen oder Signale an Artgenossen zu senden.
Wie erforscht man die Tiefsee?
Tiefseetiere an die Oberfläche zu holen, ist fast unmöglich: Der plötzliche Druckabfall würde ihren Körper zerstören und sie sofort töten. Auch menschliche Taucher halten dem enormen Wasserdruck nicht stand. Die Forschung nutzt deshalb unbemannte Tauchroboter (ROVs), die mit Spezialkameras und Scheinwerfern ausgerüstet sind, um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu filmen.
Quellen:
- Deepest Fish (https://www.guinnessworldrecords.com)
- Fear and loathing of the deep: The deep-sea snailfish Pseudoliparis swirei and limits to life in the ocean (https://academic.oup.com)
- Macropinna microstoma and the Paradox of Its Tubular Eyes (https://www.researchgate.net)
Verwandte Artikel:
Alle Lebensräume im Überblick
- Tiere der Wiese
- Tiere der Hecke
- Tiere des Waldes
- Tiere in der Wüste
- Tiere in der Tundra
- Tiere in Waldtundra und Taiga
- Tiere in Eis- und Kältewüsten
- Tiere in der Tiefsee
- Aktualisiert am














