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Wie Tiere ihre Stacheln als Werkzeuge nutzen: 10 erstaunliche Beispiele

10 Tiere, die ihre Stacheln als geniale Werkzeuge nutzen - Foto: Beth Swanson/Shutterstock

Stacheln sind im Tierreich keineswegs nur der „Deko“. Viele Tiere nutzen ihren spitzen Körperpanzer wie Werkzeug. Sie schützen vor Angreifern, helfen beim Buddeln im Sand oder funktionieren sogar wie winzige Strohhalme. Obwohl man im Alltag oft von Dornen spricht, besitzen Tiere biologisch gesehen meist Stacheln oder verhärtete Schuppen. Wir stellen dir zehn Tiere vor, deren Stachel-Werkzeuge absolut außergewöhnlich sind!

1. Kugelfisch: Der stachelige Schutzballon

Aufgabe der Stacheln: Abschreckung & Schutz

Der Kugelfisch bläst sich bei Gefahr auf, um seine Feinde abzuschrecken. Er schluckt in Sekundenschnelle Wasser und pumpt sich damit zu einem Ballon auf, an dessen Oberfläche sich zahllose Stacheln aufrichten. Bei diesem Anblick weiß der Angreifer: „Oh je, der Fisch ist einfach eine Nummer zu groß für mich!“.

Tragisches Schicksal

Es kann aber passieren, dass der Kugelfisch zu langsam ist und sich versehentlich erst dann aufbläst, wenn er bereits im Maul des hungrigen Angreifers steckt. Der Kugelfisch kann zwar nicht herunter geschluckt werden, aber auch nicht entkommen! Das Ergebnis: Beide Fische sterben.

Kugelfisch - Foto: Free_styler/stock.adobe.com

2. Dornteufel: Der mit den Strohhalmen

Aufgabe der Stacheln: Abschreckung, Trinkwerkzeug

Dieser Leguan macht seinem Namen alle Ehre. Er lebt in der Wüste Australiens und lässt sich dort die Ameisen schmecken. Um nicht selbst verspeist zu werden (von Vögeln) hat er auf seinem ganzen Körper dornenartige Schutzplatten aus Horn. Er sieht beinahe aus wie ein Alien. Kein Wunder, dass die Vögel lieber den Schnabel von ihm lassen. Die Dornen haben aber noch einen weiteren, ziemlichen praktischen Zweck: Wenn sich in der Nacht Tau auf den Dornen sammelt, läuft von den Dornenschuppen am Rücken direkt in den Mund des Tierchens. Prost!

Dornteufel - Foto: Konrad Mostert/Shutterstock

3. Urson: 30.000 Widerhaken

Aufgabe der Stacheln: Verteidigung

Das nordamerikanische Urson – auch Baumstachelschwein genannt – trägt rund 30.000 Stacheln auf seinem Körper. Das an sich ist schon eine Angst einflößende Menge möglicher, schmerzhafter Begegnungen. Wenn es angegriffen wird, verteidigt es sich mit seinem Schwanz. Dort sitzen 7 cm lange Stacheln, die nicht nurr unangenehm spitz und scharf sind, sondern auch noch fiese Widerhaken besitzen. Auaaaaa!

Urson - Foto: JT Fisherman/stock.adobe.com

4. Stachelschwein: Der Schrecken der Löwen

Aufgabe der Stacheln: Verteidigung

Das afrikanische Stachelschwein schwingt bei Gefahr seinen Schwanz, an dem 35 cm lange Stacheln mit fiesen Widerhaken sitzen. Bei seinen Angreifern verursachen sie schmerzhafte, eiternde Wunden. Man mag es zwar kaum glauben, aber nicht selten sterben so große und mächtige Tiere wie die Löwen an  einer solchen entzündeten Wunde.

Stachelschwein Stachelschwein - Foto: Martin Maritz/Shutterstock

5. Igel: Mit eingebautem Airbag-Nadelkissen

Aufgabe der Stacheln: Verteidigung

Die rund 5.000-8.000 Stacheln des Igels sind seine Lebensversicherung. Wenn Gefahr droht, rollt er sich zu einer dornigen Kugel zusammen. Auf diese Weise überlebt er die Angriffe von Raubtieren. Ihre Biegung und Elastizität machen die Stacheln zusätzlich zu einem Dämpfer: Wenn ein Igel aus Versehen von einer kleinen Mauer stürzt, fangen die nachgiebigen Stacheln den Aufprall wie ein kleiner Airbag ab.

Igel Igel - Foto: Moorland Roamer/stock.adobe.com

6. Stechrochen: Die Unterwasser-Giftspritze

Aufgabe der Stacheln: Verteidigung

Skorpionfische, Drachenköpfe, Rotfeuerfische, Steinfische – sie und rund 250 andere Fischarten sind hochgiftig und besitzen fiese Stacheln. Ihre Rückenflossen wurden in Giftstacheln umfunktioniert und am Hinterteil sitzen ebenfalls Dornen. Auch der Stechrochen hat seinen Namen nicht von ungefähr. Auf seinem peitschenartigen Schwanz sitzt ein sägeartiger Giftstachel. Wenn der Rochen erschrickt oder getreten wird, schnellt der Schwanz nach oben, sticht zu und injiziert ein schmerzhaftes Gift.

Grauer Stechrochen Grauer Stechrochen - Foto: Roman Vintonyak/Shutterstock

7. Seeigel: Wanderschuhe & Sandschaufeln

Aufgabe der Stacheln: Fortbewegung, Buddelwerkzeug, Verteidigung

Mit ihren langen, beweglichen Stacheln stelzen Seeigel munter über Felsen und Algen. Aber auch an der Küste und an sandigen Stränden fühlen sie sich wohl. Die Seeigel, die dort leben, haben wesentlich kürzere und dichtere Stacheln, mit denen sie sich im Sand ein buddeln. Die Stacheln allein verursachen bereits Schmerzen, aber unter den Seeigeln tummeln sich zudem auch noch „Giftspritzen“. Sie besitzen Stacheln, die innen hohl und mit Gift gefüllt sind – eben wie kleine Spritzen. Lederseeigel haben sogar richtige Giftblasen an ihren Stacheln.

Wollen Seeigel Menschen stechen?

36 Grad, heißer Sand brennt bei jedem Schritt zwischen den Zehen, aber das tiefblaue Meer ist nur noch wenige Meter weit entfernt. Als Nächstes brennt nicht mehr der Sand, sondern ein stechender Schmerz ... ein Seeigel hat sich unter die eigenen Füße geschmuggelt. Das war Absicht! Oder nicht? Nein, Seeigel sind natürlich nicht darauf aus, Menschen zu ärgern. Sie brauchen sie zur Fortbewegung und, um sich gegen Raubtiere zu verteidigen.

Seeigel Seeigel - Foto: NatureDiver/Shutterstock

8. Kegelschnecke: Mit Pfeil und Bogen

Aufgabe der Stacheln: Verteidigung

Wer der Kegelschnecke in die Quere kommt, macht schnell Bekanntschaft mit ihren Giftpfeilen, die sie direkt aus ihrem „Köcher“, also ihrem Mund, abfeuert. Die Widerhaken verhaken sich in der Beute und das Opfer wird mit einem hochprozentigem Nervengift gelähmt. Und jetzt wird es eklig: Die Kegelschnecke verspeist ihr Opfer danach komplett mit Haut und Haaren.

Achtung: nicht anfassen!

Sei vorsichtig, wenn du eine lebende Kegelschnecke am Strand findest. Selbst für einen Menschen ist ihr Gift gefährlich, ja so gefährlich sogar, dass du daran sterben kannst. Finger weg!

Kegelschnecke Kegelschnecke - Foto: Cyhel/Shutterstock

9. Ameisenigel: Die Boden-Verankerung

Aufgabe der Stacheln: Schutz & Erd-Anker

Der australische Ameisenigel sieht auf den ersten Blick aus wie ein großer Igel. Wenn ihm Gefahr droht, nutzt er seine Stacheln auf ganz besondere Weise. Er gräbt sich blitzschnell senkrecht in den weichen Boden ein, bis nur noch seine Oberseite zu sehen ist. Dort stemmt er seine Stacheln seitlich in die Erde. Seine Stacheln wirken dann wie Haken im Boden – kein Raubtier kann den Ameisenigel jetzt noch herausziehen!

Ameisenigel Ameisenigel - Foto: Vicki Cain/Shutterstock

10. Dornenkronenseestern: Die Schutzzone der Riffe

Aufgabe der Stacheln: Abwehr & Halt am Riff

Dieser große Seestern ist über und über mit bis zu 5 cm langen Stacheln bedeckt. Die Stacheln sind extrem spitz und mit einem Gift überzogen. Sie halten Feinde zuverlässig auf Abstand. Gleichzeitig nutzt der Seestern seine Stacheln, um sich im Riff festzuklemmen, während er sich über Korallen schiebt.

Dornenkronenseestern Dornenkronenseestern - Foto: Cyhel/Shutterstock

Lustige Fun Facts über Stacheln

  • Rassel-Konzert: Wenn das Stachelschwein seine hohlen Schwanzstacheln aneinanderreibt, entsteht ein lautes Klappern. So warnt es Angreifer, bevor es überhaupt zusticht.
  • Mit Haaren verwandt: Stacheln sind biologisch gesehen nichts anderes als stark umgewandelte, extrem dick gewordene Haare aus Keratin.
  • Igel-Babys haben Schutzkappen: Baby-Igel werden bereits mit Stacheln geboren. Damit die Mutter bei der Geburt nicht verletzt wird, sind die Stacheln ganz weich und von einer wasserhaltigen Schutzhülle umgeben.

Ich habe ganz schön Angst vor Seeigeln - deshalb habe ich immer beim Schwimmen oder Schnorcheln immer Wasserschuhe an. Trotzdem achte ich immer darauf, den Boden nicht zu berühren - denn ich möchte die zerbrechliche Unterwasserwelt nicht gefährden. Wenn sich hunderte Menschen täglich „nur mal kurz“ vom Untergrund abstoßen oder auf Korallen stellen, sind sie schnell zerstört.

Silke von tierchenwelt.de

Quellen:

  • Directional, passive liquid transport: the Texas horned lizard as a model for a biomimetic ‘liquid diode’ (https://royalsocietypublishing.org)
  • Microstructured barbs on the North American porcupine quill enable easy tissue penetration and difficult removal (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
  • Diversity of Conus neuropeptides (https://bioone.org)
  • A study of home range, movements and shelter use in adult and juvenile echidnas, Tachyglossus aculeatus (Monotremata: Tachyglossidae), in Western Australian wheatbelt reserves (https://bioone.org)

  • Aktualisiert am

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