10 Tiere, die ihre Farbe wechseln: Die Meister der Verwandlung
Chamäleon - Foto: OMP.stock/stock.adobe.com
Tiere sind wahre Künstler darin, ihre Farbe zu wechseln. Aber wie funktioniert das überhaupt und wozu ist das gut? Wenn wir Menschen uns aufregen oder uns etwas peinlich ist, bekommen wir einen roten Kopf. Wenn wir krank sind, sehen wir blass und fahl aus. Aber können wir aus Lust und Laune unsere Haut gelb färben und herumlaufen wie die Simpsons? Sind wir in der Lage, uns wie eine Betonwand zu tarnen oder mit einem Fingerschnippen blaue Flecken auf unsere Haut zu zaubern? Manche Tiere können genau das!
Wie und warum ändern Tiere ihre Farbe?
Der Farbwechsel erfüllt im Tierreich ganz unterschiedliche Aufgaben:
- Tarnung vor Feinden
- Verständigung mit Artgenossen
- Signalwirkung bei der Partnerwahl oder
- Schutz vor Sonnenlicht und Kälte
Wie ändern Tiere ihre Farbe?
Die Werkzeugkiste der Natur: Farbzellen (Chromatophoren)
Viele Tiere nutzen für den Farbwechsel spezielle Zellen in ihrer Haut oder in ihren Organen, die sogenannten Chromatophoren. Die Tiere können durch ihre Muskeln steuern, ob sich diese Zellen vergrößern oder verkleinern sollen. So werden in der Haut Farben „zusammengemischt“. Es soll an dieser Stelle nicht zu kompliziert werden, dennoch sind ein paar Begriffe zur Erklärung notwendig:
| Farbzell-Typ | Farbe / Effekt | Funktionsweise |
|---|---|---|
| Xanthophoren & Erythrophoren | Gelb, Orange und Rot | Enthalten gelbe und rote Pigmente |
| Melanophoren / Melanozyten | Braun bis Schwarz | Enthalten das dunkle Pigment Melanin |
| Iridophoren (Guanophoren) | Silbrig, Blau, schillernd | Enthalten mikroskopische Kristalle, die das Licht brechen |
1. Chamäleon: Sprache der Gefühle
Jetzt bloß nicht rot werden!
Das Chamäleon ist ein faszinierender Anpassungskünstler: Es besitzt Augen, die sich unabhängig voneinander bewegen, eine klebrige Schleuderzunge und eine Haut, die in vielen bunten Farben leuchten kann. Die meisten Tiere ihre Farbe ändern, um sich vor Feinden zu verstecken. Beim Chamäleon ist das anders:
- Gefühlsausdruck: Es nutzt die Farben, um mit anderen zu zeigen, wie es sich fühlt. Ein aufgeregtes oder aggressives Chamäleon zeigt leuchtende, kontrastreiche Farben. Ein verletztes oder krankes Tier wird blass oder dunkelbraun.
- Temperaturregelung: Wenn es morgens noch kalt ist, dunkelt das Chamäleon seine Haut ab, um Sonnenwärme schneller aufzunehmen.
Kristalle brechen das Licht und verändern die Farbe
Chamäleons wechseln leuchtende Farben zwar auch durch Farbstoffe, nutzen aber hauptsächlich winzig kleine Kristalle in ihrer Haut. Indem das Chamäleon seine Haut entspannt oder anspannt, verändert sich der Abstand zwischen diesen Kristallen. Das einfallende Sonnenlicht wird dadurch anders gebrochen – und die Haut verwandelt sich im Handumdrehen von Tarn-Grün zu leuchtendem Gelb oder Rot!
2. Tintenfisch (Kraken & Kalmare): Blitzschnelle Illusionisten
Hat er tatsächlich einen Tintenfüller?
Tintenfische hüllen sich bei Gefahr in eine dunkle Tintenwolke – doch ihre Haut ist die eigentliche Sensation. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wechselt ein Oktopus seine Farbe von Feuerrot über saftiges Grün bis hin zu Tiefblau. Über Millionen winziger Muskeln steuert das Gehirn des Kopffüßers jede einzelne Farbzelle direkt. Zudem können manche Arten sogar die Struktur ihrer Haut verändern und Noppen oder Ausstülpungen bilden, um wie ein algenbewachsener Stein auszusehen.
Hinweis: Tintenfische sind biologisch gesehen keine Fische, sondern zählen zu den wirbellosen Weichtieren.
Sie kopieren Farbe UND Verhalten
Der Mimik-Oktopus (Thaumoctopus mimicus) wechselt nicht nur seine Farbe, sondern ahmt gleichzeitig das Verhalten und die Körperform anderer giftiger Meeresbewohner nach – wie Feuerfische, Seeschlangen oder Flundern –, um Angreifer gezielt abzuschrecken!
3. Scholle: Unsichtbar am Meeresgrund
„Wer, ich? Hier ist niemand!“
Schollen und andere Plattfische sind Meister der Tarnung. Sie liegen wie von einer Straßenwalze plattgedrückt auf dem Meeresboden. Bei erwachsenen Schollen befinden sich beide Augen auf der rechten Körperseite, sodass sie den Raum über sich perfekt im Blick behalten.
Da sie weder giftig sind noch scharfe Reißzähne besitzen, überleben sie vor allem dadurch, dass sie nicht entdeckt werden. Über ihre Augen nehmen sie die Musterung des Untergrunds wahr und passen das Fleckenmuster ihrer Oberseite innerhalb weniger Sekunden perfekt an Sand, Kies oder Schlick an.
Sie werden erst mit der Zeit platt
Wenn eine Scholle frisch aus dem Ei schlüpft, sieht sie noch aus wie ein ganz normaler, aufrechter Fisch mit je einem Auge auf jeder Seite. Erst im Laufe der Entwicklung wandert ein Auge auf die andere Körperseite herüber, und der Körper flacht ab!
4. Seepferdchen: Meister der lautlosen Tarnung
Seepferdchen gehören zu den aufregendsten Farbwechslern unter Wasser. Da sie eher schlechte Schwimmer sind und keine Zähne oder Stacheln zur Verteidigung besitzen, verlassen sie sich ganz auf ihre perfekte Tarnung im Seegras oder zwischen Korallen.
- Blitzschnelle Reaktion: Über feine Nervensignale steuern Seepferdchen die Farbzellen (Chromatophoren) in ihrer Haut. Wenn sich ein Feind nähert, wechseln sie ihre Farbe innerhalb von Sekunden bis Minuten.
- Romantische Signale: Während der Balz nutzen Seepferdchen den Farbwechsel auch zur Partnersuche: Sie erblassen oder leuchten in auffälligen Gelb- und Orangetönen.
Körperbau auf Wunsch
Einige Arten – wie das Pygmäen-Seepferdchen – passen nicht nur ihre Farbe an, sondern bilden am Körper sogar winzige, knubbelige Auswüchse (Tuberkel). Dadurch verschmelzen sie optisch so perfekt mit den Knubbeln der Korallen, auf denen sie leben, dass Forscher sie erst per Zufall im Labor entdeckten!
5. Masken-Nasendoktorfisch: Signal für die Putzerkolonne
Eine Hand wäscht die andere
Der Masken-Nasendoktorfisch nutzt den Farbwechsel nicht nur, um sich zu tarnen oder Weibchen anzulocken. Lästige Parasiten machen dem Fisch auf der Haut zu schaffen. Zum Glück gibt es kleine Putzerfische, die sich von diesen Schmarotzern ernähren. Um den Putzerfischen die Arbeit zu erleichtern und die Parasiten besser sichtbar zu machen, erblasst der Masken-Doktorfisch mehrmals am Tag gezielt.
6. Koboldkärpfling: Mal hell, mal dunkel
Schwarz-Weiß-Malerei?
Dieser kleine Süßwasserfisch schillert zwar nicht in bunten Regenbogenfarben, passt seine Helligkeit jedoch kontinuierlich an. Auf hellem Untergrund erblasst er. In dunkler Umgebung lagert er dunkle Pigmentteilchen in seiner Haut ein.
Das Genie im Aquarium
In wissenschaftlichen Experimenten bewiesen die Fische, dass sie mathematische Fähigkeiten haben. Sie konnten Mengen mit einer unterschiedlich großen Anzahl von Symbolen unterscheiden – selbst wenn Form, Größe und Abstand der Symbole ständig verändert wurden.
7. Anglerfisch (Froschfisch): Das wandelnde Schwamm-Imitat
Gelb, braun, rot, grün, schwarz
Flachwasser-Anglerfische (auch Froschfische genannt) ähneln bunten Schwämmen oder von Algen bewachsenen Steinen. Während sie regungslos auf Beute lauern, sind sie mit bloßem Auge kaum auszumachen. Viele Arten können ihre Farbe über Tage oder Wochen hinweg komplett umgestalten:
- Helle Arten nehmen gelbe oder gelbbraune Töne an, um wie eine Koralle zu wirken.
- In dunkler Umgebung färben sie sich dunkelgrün, rot oder tiefschwarz.
8. Krabbenspinne: Farbanpassung auf der Blüte
Heute trage ich gelb!
Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) lauert auf Blüten auf Insekten. Um nicht aufzufallen, passt sie sich der Blütenfarbe an:
- Auf gelben Sumpfdotterblumen lagert sie flüssigen gelben Farbstoff in ihre äußere Hautschicht ein.
- Wechselt sie auf eine weiße Blüte (z. B. eine Zaunwinde), wird der gelbe Farbstoff wieder ins Körperinnere zurückgepumpt und ausgeschieden.
Dieser Vorgang dauert einige Tage – aber die Mühe lohnt sich offensichtlich.
Aber nur die Weibchen
Nur die weiblichen Krabbenspinnen verfügen über die Fähigkeit, ihre Farbe zwischen Gelb, Weiß und grünlichen Tönen zu wechseln. Die Männchen sind deutlich kleiner, braun-marmoriert und behalten ihre Farbe ihr Leben lang.
9. Schmutzgeier: Die Nahrung bestimmt die Farbe
Achtung: Echt eklig!
Beim Schmutzgeier handelt es sich um eine der skurrilsten Methoden der Farbveränderung: Hier steuern nicht Nerven oder Hautzellen das Aussehen, sondern die Nahrung. Weibchen bevorzugen Männchen mit einem leuchtend gelben Gesicht. Um diesen Farbton zu erreichen, essen die Vögel gezielt den Kot von Huftieren wie Rindern, Ziegen und Schafen. Die darin enthaltenen Pflanzensekrete (Carotinoide) färben die unbefiederte Gesichtshaut leuchtend gelb.
Die Gesundheits-Garantie
Da der Kot von Huftieren stark mit Darmparasiten belastet ist, stellt das Essen ein gesundheitliches Risiko dar. Wenn ein Schmutzgeier-Männchen trotz dieser Ernährungsweise ein strahlend gelbes Gesicht zeigt, signalisiert es dem Weibchen: „Mein Immunsystem ist so stark, dass mir selbst die Krankheitserreger nichts anhaben können!“
10. Geistermuräne: Farbwechsel beim Geschlechtswechsel
Gestern blau, heute gelb
Die Geistermuräne zeigt einen Farbwechsel, der an die Entwicklung des Tieres gekoppelt ist (Dichromatismus). Zudem sind Geistermuränen sogenannte Proterandrische Zwitter – sie wechseln im Laufe ihres Lebens ihr Geschlecht:
- Jugendstadium: Junge Geistermuränen sind tiefschwarz mit einer gelben Rückenflosse.
- Männchen: Heranwachsende Tiere färben sich knallblau mit leuchtend gelbem Maul.
- Weibchen: Ab einer Körperlänge von etwa 95 Zentimetern verwandelt sich das blaue Männchen in ein echtes Weibchen – und die Haut färbt sich komplett strahlend Gelb!
Quellen:
- Dynamic skin patterns in cephalopods (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
- Selection for social signalling drives the evolution of chameleon colour change (https://journals.plos.org)
- Do fish count? Spontaneous discrimination of quantity in mosquitofish (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- An unusual source of essential carotenoids (https://www.nature.com)
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