Der Gehörsinn im Tierreich
„Ich hör wohl nicht recht“ möchten wir nur ungern sagen und es gleichzeitig auch ernst meinen. Wie wäre für uns die Welt, wenn wir nicht hören könnten? Voller Bilder, aber gleichzeitig voller Stille. Obwohl Tiere oft ein unglaublich feines Gehör haben, setzen sie ihre Ohrwaschel nicht nur zum Hören ein. Und nur weil manche Tiere keine Ohren haben, heißt das nicht, dass sie nichts hören können!Groß, größer am größten
„... and the Oscar goes to ...“
Der afrikanische Elefant hat die größten Ohren. Aber warum hat er die eigentlich? Hm, mal überlegen. Damit der Rüssel nicht so groß aussieht. Damit sie sie tagsüber für ein Nickerchen vor die Augen schlagen können. Damit sie besser hören. Na? Klingt die letzte Antwort am besten? Stimmt aber genauso wenig, wie die zwei Antworten davor! Die riesigen Ohren sind wie riesige Ventilatoren. Wenn die Sonne auf den Schädel brennt und die Luft flimmert, pumpt der Elefant Blut in die Ohren. Dann wird fleißig gefächelt und das abgekühlte Blut wird wieder zurück in den Körper geschickt. Das ist in etwa, wie wenn man die Pulsadern unter kaltes Wasser hält. Waldelefanten und asiatische Elefanten haben wesentlich kleinere Ohren – denn sie leben vor allem unter einem tropischen Blätterdach.
Klein und doch groß
Das braune Langohr (eine Fledermaus) besitzt im Verhältnis zu ihrer Körpergröße die größten Ohren. Das kleine Tier wird nur 5 Zentimeter lang, hat aber 4 Zentimeter lange Ohren. Das ist so, als hätte ein durchschnittlicher Mensch etwa 1,40 Meter lange Ohren. Die Drohung „Dir ziehe ich die Ohren lang“ würde schnell an Bedeutung verlieren ...
Außergewöhnliche Horcher
Geniale „Hörgeräte“
Normalerweise sitzt ein Ohr links, ein Ohr rechts und für gewöhnlich gleich hoch. Nicht so bei der Schleiereule. Man sieht es zwar kaum, aber ein Ohr liegt etwas höher als das andere. Mit Absicht! Die nachtaktiven Eulen, die so geräuschlos umherfliegen, können auf diese Weise quasi in 3D hören. Das eine Ohr hört nach unten, das andere nach oben.

Käfer, ich hör dir trapsen!
Selbst nur 40 Zentimeter groß, aber 15 Zentimeter lange Ohren! Dem kleinen Wüstenfuchs Fennek entwischt so schnell kein Geräusch, nicht mal Käfer, die auf dem Sand umher spazieren.
Raubkatze mit Richt-Mikrophon
Die wunderschönen Haarpinsel des Luchses haben einen besondere Zweck. Sie sind wie Antennen und lenken den Schall in die Gehörgänge. Das funktioniert so gut, dass er Geräusche wahrnimmt, die einen ganzen Kilometer weit weg sind.
Taub und doch nicht taub
Hä? Ich hab nix verstanden, was hast du gesagt?
Würmer, Schnecken, Schlangen – wenn keine Ohren am Kopf in Richtung Himmel spitzen, glaubt man schnell, dass solche Tiere nicht hören können. Das stimmt aber nicht ganz. Sie haben zwar keine Ohrmuscheln wie wir Menschen, dafür haben sie andere Organe, mit denen sie Geräusche wahrnehmen können. In Form von Wellen (in etwa so, als würde bei einem Anruf das Handy in der Hosentasche vibrieren). Doch eines ist allen Tieren, die hören können gemein: Sie können taub werden. Durch Bakterien, Krankheiten oder durch Verletzungen. Vorsicht ist zum Beispiel bei einem simplen Lufthauch geboten. Wer einem Hund ins Ohr bläst, kann sein empfindliches Gehör verletzen.
Schwerhörig? Ach, verstehe, du hast weißes Fell
Je höher der Anteil des weißen Fells bei einem Tier ist, desto wahrscheinlicher ist es taub. Das betrifft bekanntermaßen vor allem weiße Katzen mit blauen Augen, Dalmatiner, Frettchen, Lamas und Alpaka-Schafe. Exakte Forschungsergebnisse gibt es jedoch nicht.

Keinen Bock auf Geräusche
Hören ist nicht immer ein Segen. Der Goldfisch könnte davon ein Liedchen singen (oder blubbern?). Wenn es um sie herum zu laut wird, fühlen sie sich schnell gestresst und verschließen daraufhin einfach ihre Ohren.








